Nachruf auf Carla Bley:Krumme Ohrwürmer

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Eine souveräne Pianistin: Carla Bley. (Foto: Alessandro Bosio/Imago/ Pacific Press Agency)

Die amerikanische Jazzmusikerin Carla Bley ist im Alter von 87 Jahren gestorben.

Von Thomas Steinfeld

Eine der schönsten und auch meistgespielten Kompositionen, die es im Jazz gibt, heißt "Lawns" - wie "Wiesen" oder "Rasen" im Plural. Sie ist denkbar einfach: eine Melodie, die im Grunde genommen nur aus zwei Tönen besteht, eine Folge von vier mal vier Akkorden, die bei jedem Vierer-Durchgang beim selben Septimakkord beginnen. Und doch steckt das kleine Werk voller harmonischer Überraschungen, aus jeder Modulation lässt sich etwas Unerhörtes machen, und das elementar Feste, das dieses Stück nun einmal hat, lädt zu den kühnsten melodischen Abenteuern ein. Carla Bley, die Komponistin, hat eine ganze Reihe solcher krummen Ohrwürmer geschrieben, das sachte dahinrollende "Ida Lupino" aus dem Jahr 1966 zum Beispiel, die ideale Begleitmusik zu einer existentialistischen Landfahrt mit Jean-Paul Belmondo. Oder "The Girl Who Cried Champagne" von 1987, zu der man sich am besten genau die Szene vorstellt, die der Titel beschreibt: eine angeschickerte, aber grazile junge Frau, die in einigem Durcheinander nach Halt und Schönheit sucht.

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