Filmfestival in Cannes:"Triangle of Sadness" gewinnt goldene Palme

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Filmfestival in Cannes: Austerinferno: Der schwedische Regisseur Ruben Östlund gewinnt die Goldene Palme für "Triangle of Sadness".

Austerinferno: Der schwedische Regisseur Ruben Östlund gewinnt die Goldene Palme für "Triangle of Sadness".

(Foto: ERIC GAILLARD/REUTERS)

Der Film des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund ist eine fantastische Slapstick-Groteske. Die Kernszene ist ein infernalisches Erbrechen nach Austernverzehr.

Die Goldene Palme des Filmfestivals Cannes geht an den Film "Triangle of Sadness" des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund. Das gab die Jury am Samstagabend bekannt. Die Satire hat sich damit gegen 20 andere Wettbewerbsbeiträge durchgesetzt. Entschieden hat eine Jury unter dem Vorsitz des französischen Schauspielers Vincent Lindon.

"Triangle of Sadness" ist eine Satire auf die Welt von Influencern und Superreichen. Er erzählt von einem hübschen, jungen und reichen Paar. Yaya (Charlbi Dean) ist Influencerin, Carl (Harris Dickinson) ist Model. Größere Teile der Handlung spielen auf einer Luxusjacht. Nachdem diese von Piraten gekapert wird, stranden ein paar der Schiffsreisenden auf einer Insel, wo die Hierarchien umgekehrt werden.

Die Kernszene des Films ist allerdings das Captain's Dinner an Bord der Yacht - ein großes Austerngelage, das während eines heftigen Sturms stattfindet und bei dem allen schlecht wird. Östlund steigert die Magenverstimmungen zu einer wahren Orgie des Erbrechens. Die Premierengäste in Cannes reagierten zunächst eher ungläubig bis pikiert. Erst als sich alles ins Groteske steigerte, erkannte man die große Slapstick-Kunst. Östlund hatte schon 2017 die Goldene Palme gewonnen, damals für seine Kunstmarktsatire "The Square".

Filmfestival in Cannes: Hier rebellieren die Mägen noch nicht: Charlbi Dean und Harris Dickinson in "Triangle of Sadness".

Hier rebellieren die Mägen noch nicht: Charlbi Dean und Harris Dickinson in "Triangle of Sadness".

(Foto: Festival de Cannes)

Mit dem Großen Preis der Jury, der zweitwichtigsten Auszeichnung des Festivals, wurden in diesem Jahr die französische Filmemacherin Claire Denis ("Stars at Noon") sowie der Belgier Lukas Dhont für "Close" geehrt. Der Preis für die beste Regie ging an Park Chan-wook ("Decision to Leave").

Zuvor war unter anderem die iranische Schauspielerin Zar Amir Ebrahimi für ihre Rolle in "Holy Spider" als beste Schauspielerin ausgezeichnet worden. In dem Film spielt sie eine Journalistin, die einem Serienmörder auf der Spur ist. Die US-Amerikanerinnen Riley Keough und Gina Gammell erhielten für ihren Film "War Pony" den Preis Camera d'Or für den besten Debütfilm. Als bester Schauspieler wurde der Südkoreaner Song Kang-ho für seine Rolle in "Broker" von Hirokazu Koreeda gewürdigt. Der Preis der Jury wurde an "Le Otto Montagne" von Charlotte Vandermeersch und Felix Van Groeningen sowie zu gleichen Teilen an "EO" von Jerzy Skolimowski vergeben. Der Schwede Tarik Saleh wurde mit dem Preis für das beste Drehbuch für seinen Film "Boy from Heaven" geehrt.

Die Moderatorin würdigte die "wahrhaftige politische Kraft" der Filme

Einen Spezialpreis erhielten die belgischen Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne. Die Auszeichnung wurde speziell zu diesem Jubiläumsjahr vergeben. Die Dardenne-Brüder waren bereits mit vielen Filmen in Cannes eingeladen und gewannen zweimal den Hauptpreis (1999 für "Rosetta" und 2005 für "Das Kind"). Dieses Jahr lief ihr Film "Tori and Lokita" im Wettbewerb. Das Werk erzählt von den jungen Migranten Tori und Lokita, die sich auf der Flucht kennengelernt haben und sich nun als Geschwister ausgeben, um Lokita (Joely Mbundu) einen Aufenthaltsstatus in Belgien zu ermöglichen.

Die belgische Schauspielerin Virginie Efira, Moderatorin der Zeremonie, hatte zum Auftakt der Veranstaltung denn auch die Filme des Festivals gewürdigt. Diese hätten "die wahrhaftige politische Kraft der Kultur demonstriert".

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