bedeckt München 19°

Bryan Cranston im Interview:"Dass die Show ein Hit wird, habe ich erst sehr spät gemerkt"

Bryan Cranston

Bryan Cranston: "Ich liebe es, mich über Kunst zu streiten."

(Foto: AP)

Bryan Cranston verrät, warum er zunächst an "Breaking Bad" zweifelte. Und wie ihn ein hübsches Mädchen überhaupt erst zur Schauspielerei führte.

Von David Steinitz

Seit seinem Durchbruch in der Serie Breaking Bad ist Bryan Cranston das gefragteste Faltengesicht Hollywoods. Vergangenes Jahr wurde der 61-Jährige für seine Rolle als griesgrämiger Drehbuchautor Dalton Trumbo in "Trumbo" für einen Oscar nominiert, derzeit ist er in der Amazon-Serie Sneaky Pete zu sehen. Das Filmfest München hat Cranston in dieser Woche für sein Werk den Cinemerit Award verliehen. Beim Treffen erweist er sich als begeisterter Grimassenschneider, der die Anekdoten aus seinem Leben nicht nur gern erzählt, sondern am liebsten auch vorspielt, selbst wenn nur ein Zuschauer im Raum ist.

Dabei wollte er ursprünglich gar nicht Schauspieler werden, sondern Polizist - bis ein hübsches Mädchen dazwischen kam: "Ich war 19 und im zweiten Jahr an der Uni und wollte mal in den Schauspielkurs reinschnuppern, um zu sehen, was die da so machen. Der Dozent verteilte Zettel mit kleinen Spielübungen, die wir jeweils zu zweit vorführen sollten. Und zufälligerweise stand neben mir dieses wunderschöne Mädchen. Wir bekamen einen Zettel auf dem stand: Ein Paar macht auf einer Parkbank miteinander herum. Es war also mein Job, ja es war meine ganz persönliche Verantwortung, diese Frau zu küssen! Von diesem Moment an war klar, dass das mit der Gesetzeshüterei vermutlich nichts wird."

Cranston war sich nicht sicher, ob Breaking Bad funktionieren würde

Zunächst konnte er aber nicht ansatzweise von der Schauspielerei leben, sondern musste sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. "Ich habe nebenbei in Restaurants und Kneipen gekellnert und Trucks beladen, um was dazu zu verdienen. Eine Zeit lang habe ich auch bei einer Video-Dating-Firma gearbeitet. Da musste ich die Kunden interviewen und die Gespräche aufzeichnen, um sie dann mit diesem Band an potenzielle Partner zu vermitteln. Ich glaube, ich war ganz gut. Solche Jobs sind gar nicht so schlecht, damit man jeden Auftrag als Schauspieler zu schätzen lernt. Sogar Werbung für Hämorriden-Creme".

Als ihm später die Rolle des Walter White in Breaking Bad angeboten wurde, war er sich überhaupt nicht sicher, ob diese Serie funktionieren würde. "Vince Gilligan, der Erfinder der Serie, und ich haben am Anfang viel darüber diskutiert, aber wir hatten ehrlich gesagt keine Ahnung, ob die Zuschauer das sehen wollen. Dass die Show ein Hit wird, habe ich erst sehr spät gemerkt, etwa um die dritte Staffel herum."

Cranston mag Filme und Serien, die die Zuschauer zwingen, sich Gedanken über das zu machen, was sie gesehen haben und er diskutiert selbst gern leidenschaftlich darüber. "Ich liebe es, mich über Kunst zu streiten. Das Schöne daran ist, dass es keine falschen Antworten gibt. Wir beide können uns vor ein Gemälde stellen und ich sage toll, und Sie sagen, nein, das ist scheiße. Und beide Meinungen sind richtig. Wenn man sich die Politik anschaut, gibt es da einen ganz fatalen Hang darüber zu streiten, wer recht hat und wer nicht. Das gibt es in der Kunst nicht, da gibt es verschiedene Meinungen und die bilden im Idealfall eine Brücke, sodass man sich übers Gespräch näher kommt."

© SZ.de/doer

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite