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Britischer Literaturpreis:Schlechter Sex mit Morrissey

"Im kichernden Schneeball vollschlanker Kopulation": Für diese Textpassage wurde der "Smiths"-Frontmann mit dem "Bad Sex in Fiction Award" ausgezeichnet.

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Morrissey: List of the Lost

Bed, Sex and Fiction.

Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

Morrisseys Erstlingsroman "List of the Lost" wurde von Kritikern bereits in der Luft zerrissen (ebenso wie seine Autobiografie). "Die Verleger sollten sich schämen ob dieses Roman-Fiaskos", schrieb etwa der Guardian, und nun hat der Sänger der Smiths auch noch den diesjährigen Bad Sex in Fiction Award gewonnen. Mit der Auszeichnung will die britische Zeitschrift Literary Review "auf die grobe, geschmacklose, oft nachlässige Verwendung redundanter sexueller Passagen" hinweisen und "ihr entgegenwirken".

Gemeint sind Passagen wie diese aus "List of the Lost": Morrissey schildert das Liebespaar Eliza und Ezra "zusammengerollt in einem kichernden Schneeball vollschlanker Kopulation". Auch ein erfolgreicher Songwriter und Sänger ist noch lange kein Universalgenie. Wer sonst noch unter den Kandidaten war ...

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Erica Jong: Fear of Dying

Bed, Sex and Fiction.

Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

Ebenfalls gute Chancen hatte die US-Schriftstellerin Erica Jong, die in den Siebzigern zur literarischen "Königin der Erotik" avancierte. Mit "Fear of Dying", also der "Angst vorm Sterben", lässt sie ihre aus früheren Werken bekannte Protagonistin Isadora zur Ruhe kommen. Aber nicht ohne die eine oder andere schlüpfrige Episode. Als zwei Unbekannte Sex miteinander haben, gesteht sie ihm, er habe die Lebenskraft Kundalini in ihr geweckt. Woraufhin er erwidert: "Kundalini, Schmundalini, alles gutes Zeug!"

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George Pelecanos: The Martini Shot

Bed, Sex and Fiction.

Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

Actionreiche Gewaltszenen dürften George Pelecanos besser liegen als intime Detailschilderungen. Auch der Drehbuchschreiber von The Wire - und dafür Emmy-nominiert - gehörte zu den diesjährigen Bad-Sex-Kandidaten. In der Titelstory seiner Kurzgeschichtensammlung sorgt sich der Erzähler nach dem Sex um die Frisur seiner Partnerin: "'Danke', sagte ich, meine Hand noch immer in ihrem Haar. Ich hatte es wohl verdreht. Es war ganz unordentlich."

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Aleksandar Hemon: The Making of Zombie Wars

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Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

In seinem Roman "The Making of Zombie Wars" verknüpft Aleksandar Hemon die Lebensgeschichte seines Protagonisten Joshua mit dem Drehbuch, an dem dieser gerade arbeitet: "Zombie Wars". Zwischen all den Untoten entwickelt sich schließlich eine Dreiecksbeziehung zwischen Joshua, seiner Freundin Kimiko und der wunderbaren Ana, einer seiner Englischschülerinnen. Und das mit verwirrenden Konsequenzen, wie diese Passage zeigt:

"... sie ließ ihn so tief in sich hinein, dass er nicht mehr an sie denken musste, und daher auch nicht an sich selbst, aber natürlich dachte er daran, nicht an sich selbst zu denken ..."

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Joshua Cohen mit "Book of Numbers"

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Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

An Joshua Cohen scheiden sich die Geister. Manche sahen in Joshua Cohen bereits den jungen David Foster Wallace oder den Nachfolger von Thomas Pynchon. Mit seinem Erzählband "Vier neue Nachrichten" lieferte er eine scharfsinnige Betrachtung des Internets und wurde dafür vor allem von der Zeit gelobt. Andere kritisieren ihn als "Beschreibungspedanten" (taz). Mit seinem Roman "Book of Numbers" geht es um einen Autor gleichen Namens, der die Autobiografie für einen gewissen Joshua Cohen verfassen soll. Verwirrend? Oh ja. Vor allem, wenn den unterschiedlichen Erzählebenen folgende schwulstige Schilderung beigemischt wird:

"Ihr Mund schmeckte nach Mandeln, nach Zitronen. Darunter waren ihre Brüste wie junge Kitze, wie Schafe, die wild im Ysop herumtollen - fast kamen Psalme aus mir heraus."

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Tomas Espedal mit "Against Nature"

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Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

In Tomas Espedals Romanen verschwimmen Fiktion und Autobiografie - auch in seinem Liebesroman "Against Nature". Aber die Leidenschaft scheint dann doch mit dem Autor durchgegangen zu sein, schließlich war er mit folgender Passage in der engeren Auswahl für den Bad Sex in Fiction Award:

"Héloïse hat allen Sinn dafür verloren, wie sie sich verhalten soll, wirft sich auf Abélard, zieht ihn auf den Boden und grätscht sich gegen ihn, als wären sie zwei rangelnde Jungen. Sie presst ihn nach unten, drückt seine Hände auf den Boden. (...) Sie hält ihm den Mund zu und nimmt ihm den Atem. Sie bewegt sich auf ihm und reitet ihn, wie sie sich vorgestellt hatte, eines Tages einen Jungen zu reiten, einen Mann, ein Biest ..."

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Lauren Groff mit "Fates and Furies"

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Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

Ähnlich wie in "Gone Girl" schildert Lauren Groff in "Fates and Furies" eine Ehe aus unterschiedlichen Perspektiven. Allerdings weiß der Leser der New York Times zufolge vor lauter Details am Ende weniger als am Anfang. Trotzdem war der Roman für den National Book Award of Fiction 2015 nominiert. Apropos Details - auch die Szene, mit der sich Groff unfreiwillig für den Bad-Sex-Award qualifizierte, strotzt nur so davon:

"Als er die Augen schloss, dachte er an Mangos, Papayastückchen, vor Saft triefende Früchte, säuerlich und süß, und dann ging er ab, ächzte und sein ganzer Körper wurde süß ..."

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Richard Bausch mit "Before, During, After"

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Quelle: dpa/afp/ap/Reuters; Collage: Jessy Asmus/SZ.de

Trotz weniger Kandidaten als im Vorjahr konstatiert Literary Review "ein gutes Jahr für schlechten Sex". Schade nur, dass die miesen Sexszenen über an sich gute Stories hinwegtäuschen: "Als sie ihn, noch ein wenig schlaff, in den Mund nahm, stöhnte er: 'Oh, Liebste!'" An sich erzählt Robert Bausch in "Before, During, After", wie das Leben zweier sich liebender Menschen nach 9/11 ebenso zusammenbricht wie die Twin Towers.

Die Auszeichnung kennt kein Pardon für prominente Namen. Im vergangenen Jahr war Pulitzer-Preisträger Michael Cunningham nominiert, Jonathan Littell wurde bereits mit dem Preis bedacht und John Updike sogar für sein Lebenswerk abgestraft. Gewinner des diesjährigen Bad Sex in Fiction Awards ist Morrissey (siehe Bild 1).

© SZ.de/mea/kaeb

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