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Bremer Stadtmusikanten:Wüstes Getümmel

1823 wurde die erste Illustration zu den Bremer Stadtmusikanten veröffentlicht, damals wurden die Tiere noch als beängstigende Bestien dargestellt. Doch das Bild wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte.

Von Barbara Galaktionow

5 Bilder

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Quelle: George Cruikshank, Sammlung Dieter Brand-Kruth / Aus dem Katalog "Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft" der Kunsthalle Bremen in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Bremen, 23. März bis 1. September 2019

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Die erste Illustration der Bremer Stadtmusikanten schuf der berühmte britische Karikaturist und Illustrator George Cruikshank, der unter anderem auch Werke von Charles Dickens, Cervantes und Sir Walter Scott bebildert hat. Seine Darstellung zeigt den Einfall der Tiere in die Räuberhütte als wüstes Getümmel und Schreckensszenario. Sie wurde 1823 in der ersten englischen Ausgabe der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen veröffentlicht. In Deutschland wurde das Märchen erstmals in den 1850er Jahren illustriert.

Bremer Stadtmusikanten

Quelle: Karl Fahringer, Sammlung Schwarzwälder / Aus dem Katalog "Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft" der Kunsthalle Bremen in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Bremen, 23. März bis 1. September 2019

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"Die Räuber (...) meinten nicht anders als ein Gespenst käm herein", heißt es im Märchen über den Moment, als die Bremer Stadtmusikanten in die Waldhütte einfallen. In der undatierten Illustration von Karl Fahringer fällt auf, welches Grauen die Tiere bei den Räubern hervorrufen. Die Darstellung steht ganz in der Tradition von Cruikshank.

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Quelle: VG Bild-Kunst, Gerhard Marcks, Sammlung Röpcke, Foto: Koetzle / Aus dem Katalog "Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft" der Kunsthalle Bremen in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Bremen, 23. März bis 1. September 2019

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Die heute so beliebte Tierpyramide von Gerhard Marcks löste bei der Probe-Aufstellung 1951 zunächst Proteste aus. Denn die stark stilisierte Bronzeplastik mit den geordnet aufeinander stehenden, eher jung wirkenden Tieren brach mit den bis dahin üblichen naturalistischen Darstellungen. Am Ende erwarb die Stadt sie aber dennoch zum Kaufpreis von 20 000 D-Mark.

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Quelle: Ayse Erkmen, Galerie Barbara Weiss / Aus dem Katalog "Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft" der Kunsthalle Bremen in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Bremen, 23. März bis 1. September 2019

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Ein Hahn, eine Katze, ein Hund, ein Esel - für ihr Projekt "Einer fehlt / One is missing" (2003) fotografierte die türkische Künstlerin Ayşe Erkmen Tiere, die unter schlechten Bedingungen in Istanbul lebten. In einer Flugblattaktion in Bremen wurden dann Drucke der einzelnen Tiere an Passanten verteilt, und zwar erst nach und nach, so dass sich die Assoziation zu den Stadtmusikanten erst allmählich einstellte.

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Quelle: Karen Blindow; Maurizio Cattelan / Aus dem Katalog "Tierischer Aufstand. 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft" der Kunsthalle Bremen in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv Bremen, 23. März bis 1. September 2019

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Die Doppelstatue des Italieners Maurizio Cattelan orientiert sich in der Darstellung an dem pyramidalen Aufbau der Plastik von Gerhard Marcks. Allerdings erscheint das Motiv ironisch gebrochen: In "Love Saves Life" (1995) werden Tierpräparate, in "Love Lasts Forever" (1998) Tierskelette aufeinander getürmt. Der Künstler selbst verstand sein Werk als Hinweis auf eine "sozialistische Moral", die zeige, "wie wir Kreativität und Freundschaft zusammenbringen und jeden Kampf gewinnen können".

© SZ.de
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