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Zum Tod von Bill Withers:Wahrhaftige Größe

Bill Withers Dies At 81 Photo of Bill WITHERS

Es gibt nicht viele Genies, aber Bill Withers war eines.

(Foto: Redferns)

Es gibt in Wahrheit nicht viele Genies, aber er war eines: Bill Withers ist gestorben, der mit Liedern wie "Lean On Me" oder "Ain't No Sunshine" Hymnen auf das Leben schrieb.

Am Montag, dem 30. März, endete nach 81 Jahren das Leben des Soulsängers Bill Withers, eines Künstlers von nahezu unermesslichem Einfluss und von wahrhaftiger Größe, dessen eigentliches Künstlerleben dabei gar nicht lange dauerte. 1971 nahm er seine erste Platte "Just As I Am" auf, rund ein Dutzend Jahre später war auch schon wieder Schluss. Und zwar nicht, weil keiner ihn mehr gewollt hätte, wie wir später sehen werden.

Bill Withers konnte nicht nur brillant singen, er konnte auch ebenso luzide schweigen, und man muss sagen, hier hat sich einer mit Bedacht schon lange vor der Erfindung der sozialen Netzwerke aus allen sozialen Netzwerken verabschiedet, außer dem wichtigsten, dem der Familie und der paar Freunde, auf die man es, wenn man Glück hat und kein Arschloch ist, bringt im Leben. Einige hatten den Verdacht, Bill Withers habe sich verbittert zurückgezogen. Sie lagen falsch.

Es gab, wie das so ist, auch in diesem Leben ein paar entscheidende Daten und Wendungen, schöne wie traurige. Die Bedeutung dieses oder jenes Termins erschließt sich ja auch bei normalen Menschen oft erst später. Bei Genies - es gibt in Wahrheit nicht viele, aber Bill Withers war eines - kommt noch das durch Momente des Glücks oder des Horrors genährte Werk hinzu, an dem sich diese oder jene Wendung schön ablesen lässt.

Die diesem Mann nun angemessen gedenken wollen, sollten sich zum Beispiel das anhören, was Bill Withers am Abend des 6. Oktobers 1972 gemeinsam mit einer furchterregend guten Band in New York angerichtet hat. Das Album "Live at Carnegie Hall" vereint, was Withers war: Ein junger, nachdenklicher Mann aus einem Bergarbeiterstädtchen in Virginia, von störrischem, schon damals einzelgängerischem Wesen, mit lakonischem Humor und einem Bariton, der auffällig gläsern war.

Das Lied war den weißen Radiostationen zu schwarz und den schwarzen zu weiß

Diese Stimme transportierte jede Selbstbehauptung, jeden Zweifel, alle Trauer so vibrierend und zart, dass dem einen oder anderen Zuhörer in den lauten Jahren der Black Power zunächst entging, dass es sich um einen schwarzen Sänger handelte. Man kann derlei Verwechslungen für stereotype Randerscheinungen halten, sollte es aber nicht.

Auffälliger noch als in den großen Hits "Ain't No Sunshine" und "Lean On Me" leuchtet die lyrische Tiefe dieser Stimme in anderen Songs des Sängers und Songwriters Bill Withers, beispielsweise in "Hope she'll be happier", wenn er über eine Melodie wie aus der Kinderorgel singt mit der Intensität eines Gebets. Das ist Soul nicht als dampfende und klirrende, sondern als schwebende Musik.

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