Texte über Belarus:Vergesst uns nicht

Lesezeit: 6 min

MINSK, BELARUS - AUGUST 22, 2020: Participants in the Belarus Against Violence event gather on Independence Avenue. Exi

Revolution in Weiß: Bei vielen Protesten waren es vor allem Frauen, die gegen Alexander Lukaschenko auf die Straße gingen.

(Foto: Natalia Fedosenko/imago images/ITAR-TASS)

"Stimmen der Hoffnung" heißt ein neuer Sammelband zur Revolution in Belarus vor einem Jahr. Darf man denn hoffen?

Von Alex Rühle

Schon mal was von Roman Bondarenko gehört? Der Künstler und Designer ging am 11. November des vergangenen Jahres in den Hinterhof seines Hauses in Minsk und legte sich mit den maskierten Männern in Zivilkleidung an, die überall die rot-weiß-roten Bänder herunterrissen, die symbolisch für den Protest gegen Alexander Lukaschenko stehen. Die Männer prügelten Bondarenko zu Tode. Sein letzter Satz im Telegram-Chat - "Ich gehe raus" - wurde danach zur Parole der Demonstrierenden in Belarus, er selbst zur "zufälligen Galionsfigur", wie ihn Natalia Pankowa in einem Gedicht nennt, das abgedruckt ist in dem erschütternden Sammelband "Stimmen der Hoffnung", der am Montag, dem Jahrestag des großen Wahlbetrugs, erscheint: Am 9. August ließ sich Alexander Lukaschenko bei der Präsidentenwahl mit 80,1 Prozent der Stimmen nach mehr als 25 Jahren an der Macht erneut im Amt bestätigen. Noch am selben Abend gingen die Menschen auf die Straßen und Lukaschenko ließ seine Omon-Truppen von der Kette, Spezialeinheiten in schwarzen Uniformen, die seither auf das ganze Land einprügeln.

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