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Pop an der Universität:Hauptseminar Helter Skelter

Brav wie vier Erstsemester: die "Beatles" (John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr) 1963 in London.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Die "Beatles" bekommen einen Studiengang in Liverpool. Aber erhielten die ihre Ausbildung nicht ganz woanders?

Von Harald Hordych

Die Beatles sind nun ein Masterstudiengang. Im September soll es losgehen, die Einschreibung am Institut für Populäre Musik an der Uni Liverpool läuft. Cool, wird jetzt mancher denken, der gern die Füße auf den Schreibtisch legt und produktiv zum Fenster hinausschaut, während "Penny Lane" erklingt. Und wer seinen Master hat, der belegt danach womöglich gleich noch die Aufbaustudiengänge "Lennon", "McCartney", "Harrison" und "Starr".

Vollständig heißt der neue Studiengang allerdings etwas ernüchternd: "Die Beatles: Musikindustrie und Vermächtnis". Neben der Musik sollen Liverpool und die Rolle der Beatles für den Tourismus ihrer Heimatstadt einen Forschungsschwerpunkt bilden. Schöngeistige Fragen treten eher hinter Strategien zurück, wie eine Stadt auf ewig vom Ruhm einer einzigen Band profitieren kann.

Im Deutschlandfunk erklärte Programmleiterin Holly Tessler dazu, es ginge nicht um das Erzählen der Geschichte, "als etwas, das vor 60 Jahren passiert ist, sondern als etwas, das auch heute mit den Menschen zu tun hat und mit der britischen Kultur". Sie lädt sogar Interessierte aus anderen Musikstädten wie Detroit, Seattle oder Wien ein, um von Liverpool zu lernen. In Deutschland wird Stadtmarketing an vielen Hochschulen angeboten. Für Angebote im Geiste des neuen Studiengangs an der Uni Liverpool gäbe es hierzulande Standorte wie Bochum (Grönemeyer), Berlin (David Bowie), Düsseldorf (Kraftwerk) oder natürlich: Hamburg. Halt, nicht sofort Udo Lindenberg sagen, auch wenn die Universität Hotel Atlantic, wo er an der Bar Vorlesungen halten würde, eine attraktive Lehranstalt wäre.

Abgesehen davon, Holly Tessler wird das nicht gern hören, heißt die Stadt, die die Beatles wohl noch ein kleines Bisschen entscheidender als Liverpool geprägt hat, Hamburg. Die Fab Four gastierten auf St. Pauli zwischen 1960 und 1962, also vor ihrem großen Durchbruch, insgesamt fünfmal für jeweils längere Zeit als Hausband in Strip- und Nachtclubs.

Es auszuhalten, für wenig Geld vor Betrunkenen bis zu sechs Stunden zu spielen, dürfte die Fähigkeit, gegen alle Widerstände "Yeah, yeah, yeah" zu rufen, wesentlich gestärkt haben. "Ich bin in Liverpool aufgewachsen, aber in Hamburg bin ich erwachsen geworden", hat Lennon dazu einmal gesagt. Auch wenn die Geschichten von sexuell enthemmten Rock'n'Roll-Monstern schon im Proseminar ins Reich der Legende verbannt werden sollten. Dass Ringo in einer Unterkunft ein Kondom angezündet hat und John Lennon auch mal mit einem Klodeckelring um den Hals aufgetreten ist, gehört dagegen in den Grundkurs "Die Anfänge - wie es wirklich war".

Ob Exkursionen der Liverpooler Studierenden nach Hamburg vorgesehen sind? Die Uni-Website nennt als Orte, an denen die Beatles geformt wurden, Liverpool und Merseyside. Das Indra auf der Großen Freiheit, dem Ort des ersten Hamburger Beatles-Gastspiels, der damals ein Strip-Club war, gibt es jedenfalls heute noch, anders als die anderen legendären Hamburger Beatles-Auftrittsorte, den Top Ten Club, den Star-Club und den Kaiserkeller.

© SZ/clu
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