Superhelden-Saga "Avengers: Endgame" kommt nochmal ins Kino

Noch mehr Popcorn, noch mehr Geld: "Avengers: Endgame" startet bereits wenige Wochen nach seiner Kinopremiere in einer neuen Fassung.

(Foto: REUTERS)
  • Seit Ende April läuft "Avengers: Endgame" in den Kinos. Der Film spielte nach "Avatar" (2009) das zweitmeiste Geld überhaupt ein.
  • Nun soll eine erweiterte Schnittfassung die Kinoauswertung des Actionhelden-Streifens verlängern.
  • Die Ankündigung von Marvel-Chef Kevin Feige in kleineren Fan-Publikationen lässt sich als Versuch deuten, den vierten Teil der Avengers-Saga zum erfolgreichsten Film aller Zeiten zu machen.
  • Für den Disney-Konzern, zu dem Marvel gehört, offenbar eine Prestige-Sache.
Von David Steinitz

Der Superhelden-Film "Avengers: Endgame" startete Ende April im Kino, wo er seitdem immer noch sehr erfolgreich läuft - und trotzdem soll nun zusätzlich noch eine erweiterte Fassung anlaufen.

Das verkündete Kevin Feige, Chef des Marvel-Studios, am Mittwoch in einigen US-Magazinen, unter anderem in Screen Rant: "Es wird eine Version ins Kino kommen mit ein paar neuen Elementen am Ende. Nach dem Abspann wird es ein paar Überraschungen geben."

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Solche Zweitauswertungen mit neuen Szenen gab es in Hollywood schon oft. Zum Beispiel wenn ein berühmter Film ein rundes Jubiläum feiert, wie Francis Ford Coppolas Klassiker "Apocalypse Now", der diesen Sommer zu seinem 40. Geburtstag noch mal einen kleinen Kinostart bekommt. Dass diese Ehre einem Werk zuteilwird, das erst seit zwei Monaten läuft, dürfte aber einen besonderen Grund haben.

Denn "Avengers: Endgame" ist unter der Masse der Superheldenblockbuster der letzten Dekade zwar der mit Abstand gewinnbringendste, aber mit einem kleinen Manko: Er steckt auf der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, weltweit wohlgemerkt, noch auf Platz zwei fest, hinter James Camerons "Avatar" (2009).

Letzterer verteidigt seine Spitzenposition tapfer mit einem Einspielergebnis von 2,788 Milliarden Dollar; "Avengers: Endgame" steht derzeit bei 2,744 Milliarden. Sprich: Es fehlen noch 44 Milliönchen, um die prestigeträchtige Poleposition einzunehmen, und das scheint das erklärte Ziel des Disney-Studios zu sein, dem die Produktionsfirma Marvel gehört.

Das Problem bei dieser letzten Hürde sind die sinkenden Zuschauerzahlen, die nach dem Start von Woche zu Woche weniger werden, weil die meisten Menschen, die den Film sehen wollen, ihn mittlerweile auch gesehen haben. Zum Vergleich: In seiner Startwoche Ende April spielte "Endgame" knapp 500 Millionen Dollar ein, in der zweiten Juniwoche waren es nur noch gut sieben Millionen. Mit der normalen Kinoauswertung würde Disney den Rekord also wohl nicht mehr knacken.

Deshalb scheint die neue Strategie zu sein, die Hardcore-Fans mit der alternativen Schnittfassung dazu zu bringen, sich ein zweites oder gar drittes Mal ein Kinoticket zu kaufen. Dazu passt es auch, dass Marvel-Chef Kevin Feige seine Ankündigung der neuen Version nicht in den großen Hollywoodmedien wie Variety oder Hollywood-Reporter machte, sondern in kleineren Fan-Publikationen wie Screen Rant und comicbook.com.

Dabei geht es für Marvel/Disney mittlerweile vermutlich nicht mal mehr wirklich ums Geld. Es geht wohl mehr ums Prestige. Durch den Zukauf des Fox-Studios im letzten Jahr gehören Disney inzwischen auch die Rechte an der "Avatar"-Reihe. Das Studio steht markenrechtlich so oder so auf Platz eins der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten - zumindest nach dem Stand des Jahres 2019.

Und schaut man sich die Bestenliste inflationsbereinigt an, steht "Avengers: Endgame" weit abgeschlagen auf Platz 17 und "Avatar" auf Platz 15. Auf Platz eins hingegen thront dort immer noch ein Film aus dem fernen Jahr 1939: "Vom Winde verweht".

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