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Ausstellung über Snobs:Meine Villa, mein Pool, mein Regenschirm

Kinder mit Lackschuhen und Waffen, alte Männer mit schönen jungen Frauen: Früher galt das Hauptinteresse der Fotografie der Armut - jetzt werden gerne Reiche mit ihren Statussymbolen fotografiert. In Hamburg gibt es die erste große Ausstellung über des Reichtums fette Beute.

Von Ruth Schneeberger

15 Bilder

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Quelle: Juergen Teller

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Kinder mit Lackschuhen und Waffen, alte Männer mit schönen jungen Frauen: Früher galt das Hauptinteresse der Fotografie der Armut - jetzt werden gerne Reiche mit ihren Statussymbolen fotografiert. In Hamburg gibt es die erste große Ausstellung über des Reichtums fette Beute zu sehen.

Nach der Motivation dafür befragt, warum sie ihr Leben dem ständigen Streben nach Reichtum gewidmet haben, sagen wohlhabende Männer älteren Semesters gerne: Ich wollte immer die schönsten Frauen haben. Dieses Lebensmodell und weitere Motivationen für einen Lebensstil, der sich um Opulenz, Zurschaustellung materieller Werte und Distinktion dreht, zeigt die Ausstellung "Fette Beute: Reichtum zeigen" im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Im Bild fasst ein älterer Herr einer sehr viel jüngeren Schönheit an den Ohrring - und demonstriert damit nebenher seinen Besitzanspruch.

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Quelle: Juergen Teller

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Manchmal wird schon den Kleinsten in die Wiege gelegt, womit sie sich später ihr Leben lang umgeben sollen: Gold und Silber, Juwelen und Geschmeide. Mit diesen Bildern des Fotografen Juergen Teller warb ein Londoner Auktionshaus einst für seinen Schmuck.

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Quelle: Anna Skladmann

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Das Kind als Statussymbol, ...

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Quelle: Courtesy Staley-Wise Gallery New York/Getty

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... der hauseigene Pool, ...

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Quelle: Jim Dow / Courtesy Janet Borden, Inc., New York

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... die kleine Privatbibliothek, ...

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Quelle: Lamia Maria Abillama, Courtesy Galerie Tanit, München

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... oder das allzeit bereite Personal: Es gibt viele Möglichkeiten, Reichtum zu demonstrieren, und damit zu zeigen: Ich kann mir das leisten.

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Quelle: Rich Kids of Instagram/netobynetosoberanes

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Während die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird, werde Reichtum in den Medien immer exzessiver vorgezeigt, sagt das Museum: "Bisher galt das Interesse in der Fotografie vor allem der Armut. Seit den 1980er Jahren beschäftigen sich aber zunehmend zeitgenössische Fotografen auch mit der Inszenierung von Reichtum in der Fotografie." In einer umfassenden Ausstellung sei dieses Phänomen noch nie behandelt worden, an diesem Freitag öffne somit die erste umfassende Schau zu diesem Thema.

150 Ausstellungstücke, darunter künstlerische Arbeiten, Reportage-Fotografie, Dokumentarfilme und Videos sind zu bewundern, dazu Instagram-Amateurbilder (im Bild) und Ausschnitte aus dem Reality-TV-Format Rich Kids of Beverly Hills. Konstrastierend dazu werden historische Bilder aus der Zeit vor der Jahrhundertwende bis zum Bildjournalismus der 1960er Jahre gezeigt. Hilfreich ist die Aufteilung in thematische Unterkapitel des Reichtums.

Hurricanes (Katlehong, 2013)

Quelle: Muntu Vilakazi

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Unter der Überschrift "Globaler Reichtum" etwa sind Bilder des südafrikanischen Fotografen Muntu Vilakazi zu sehen, der für seine Fotoserie "Politics of Bling" (im Bild) von 2009 bis 2013 das Streben der aufsteigenden Mittelklasse nach Besitz in seinem Land beobachtete.

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Quelle: Tina Barney / Courtesy Janet Borden, Inc., NYC

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US-Fotografin Tina Barney dokumentierte mit ihrer Serie "The Europeans" ab 1996 den konservativen Geldadel im "alten Europa".

Im Bild: "Father and Sons"

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Quelle: Lamia Maria Abillama, Courtesy Galerie Tanit, München

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Und Lamia Maria Abillama porträtiert in "Ladies of Rio" die weiße Geldelite, die sich in der brasilianischen Metropole mit den Insignien des alten Reichtums umgibt - zum Beispiel mit altniederländischer Malerei (nicht in diesem Bild) und kostbaren antiken Möbeln.

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Quelle: Paolo Woods/INSTITUTE

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Die Auswirkungen globalisierten Reichtums untersucht der Niederländer Paolo Woods. In seiner Reihe "Chinafrica" (2007) zeigt er neokoloniale Tendenzen. Chinesische Investoren, die er in Nigeria fotografiert hat, manifestieren ihren Status, indem sie ihr hierarchisches Verhältnis gegenüber den nigerianischen Arbeitern betonen. Das Bild zeigt einen Unternehmer aus Shanghai, der sich in Nigeria in den 80er Jahren ein Empire aufgebaut hat, das mittlerweile auf 15 Firmen, 1600 Mitarbeiter, Bauunternehmen, Hotels und Restaurants angewachsen ist. Unter dem Titel "African Chief" hat er es zu einem Status gebracht, der es ihm erlaubt, Polizeiwagen für Fahrten durch die Slums zu benutzen, oder Polizisten als Bodyguards, so wie hier im Bild. Im Hintergrund lässt er gerade 544 Villen errichten.

Wüsste man den Hintergrund zu diesem Bild nicht, könnte man andersrum auch meinen: Reichtum kann auch bedeuten, wenn jemand einem den Schirm hält.

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Quelle: Giacomo Bianchetti

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Der Zurschaustellung von allerhand Protz steht die Unsichtbarkeit weniger Superreicher gegenüber, die sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückziehen und von denen nur selten Bilder zirkulieren. Das Motto "Orte des Reichtums" zeigt deshalb abgezirkelte Kreise der Macht, des Einflusses und des Geldes. Ob die privaten Zirkel von New York mit ihren kostbar ausgestatteten Clubs, oder reiche Brasilianer in ihren Penthäusern, mit Drohnen gemachte Paparazzi-Bilder der Villen kalifornischer Stars - hier geht es um das Verhältnis von Macht und Architektur.

So auch bei dem jungen italienischen Fotografen Giacomo Bianchetti, der in seinem Projekt "Can I?" (im Bild) den Zugang zu den abstrakten Orten des Geldes thematisiert. Dazu platziert er seine Kamera vor den Eingängen börsennotierter Schweizer Unternehmen - und wartet ab, was passiert. Meistens dasselbe wie bei seinem Besuch bei der Bilderberg-Konferenz in Kopenhagen: Die Sicherheitskräfte werden mehr als nervös. Sogar dann, wenn er seine Absicht erklärt (Kunst-Projekt), wollen ihm die meisten sein gutes Recht absprechen, Bilder zu machen. Der Künstler will die Reichweite wirtschaftlicher und politischer Einflussnahme, die Mechanismen von Geheimhaltung, Enthüllung und medialer Kontrolle ausloten.

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Quelle: Regina Relang, Münchner Stadtmuseum/Sammlung Fotografie

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Den Geltungsdrang der Aufsteiger in einer kapitalistischen Gesellschaft zeigen die Bilder unter dem Motto "Die feine Gesellschaft": Bälle, Opern oder Pferderennen (im Bild: Regina Relang, aus der Serie Rennen Auteuil-Longchamps, Paris, 1938/39) sind traditionell Anlässe, zu denen sich die gehobene Gesellschaft trifft. Sorgsam ausgestattet, versteht sich. Die Fotografen aus der Ausstellung dokumentieren die demonstrative Pracht, zeigen aber auch die Verschwendung, mit der man sich hier des sozialen Aufstiegs rühmt. Unter dem Motto "Arm und Reich" hingegen wird die Durchlässigkeit gesellschaftlicher Klassen als Errungenschaft westlicher Demokratien in Frage gestellt: Für wen ist es überhaupt möglich, aus eigener Kraft aufzusteigen - und für wen nicht?

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Quelle: Rich Kids of Instagram/stevenrsachs

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Unter der Überschrift "Prestigeobjekte" liest man das Zitat eines von US-Fotograf Jim Goldberg porträtierten Reichen: "Ich bin in diesem aufreibenden Spiel gefangen, bei dem ich nichts haben darf, was durchschnittlich ist. Ich habe ein super Auto, eine super Frau, ein super Haus." Und unter der Überschrift "Born Rich" sieht man die "Rich Kids of Instagram" (im Bild), wie sie ihre Luxusgüter bemüht lässig präsentieren: Swimmingpools, Sportwagen, Champagner-Rechnungen.

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Quelle: Anna Skladmann

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Fotografin Anna Skladmann hat für ihre Reihe "Little Adults" die Kinder von Milliardären, Oligarchen und Neureichen in Moskau fotografiert - in ihren millionenschweren Villen, abgeschirmt von hohen Mauern. Während nebenan die Menschen hausen, die diese exklusiven Wohnsitze erbaut haben, und von ein paar Rubel leben. Das sind die äußeren Dramen. Die Fotografin poträtiert die Kinder in ihren Rollen als zukünftige Führungsschicht Russlands, auf deren Gesichtern sich die inneren Dramen abspielen. Wie bei Jakob (im Bild), der mit sich selbst im Krieg steht und in seinem Zimmer auf Ballerinas schießt. "Er hat eine Sammlung von alten Waffen", erzählt Anna Skladmann. "Ich glaube, in dem Zimmer waren genauso viele Waffen wie Plüschtiere."

Die Ausstellung läuft bis zum 11. Januar 2015, weitere Infos hier.

© SZ.de/mkoh/tob

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