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ARD-Musikwettbewerb:Poesie und Kampfesmut

ARD-Musikwettbewerb Cello

Haruma Sato aus Japan gewinnt den Cello-Wettbewerb mit Temperament und Einsatzfreude.

(Foto: Daniel Delang)

Haruma Sato siegt im Cello-Finale

- Sihao He, Haruma Sato, Friedrich Thiele - drei im Charakter und in der physischen Erscheinung sehr unterschiedliche Cellisten traten zum Finale im Herkulessaal an zusammen mit dem BR-Symphonieorchester unter der unaufgeregten Leitung der Südkoreanerin Eun Sun Kim.

Sihao He, 26 Jahre alt aus Shanghai und vor allem in den USA ausgebildet, musste beginnen mit Robert Schumanns keineswegs glamourösem Cellokonzert, das haarig zu spielen ist, ohne je brillant zu wirken. Es ist ein symphonisches, ohne abgesetzte Einzelsätze durchgehendes Konzert. Der Solist ist ins kompositorische Geflecht so eingebunden, dass er ständig mit dem Orchester dialogisiert bis hin zum poetisch intimen Zwiegespräch mit dem Orchestersolocellisten im langsamen Satz. Das Finale verlangt Leichtfüßigkeit und blitzende Geistesgegenwart. Sihao He hatte es allzu eilig, wirkte im Gegensatz zu den bisherigen Auftritten fahrig und blieb fast nur auf seine Solostimme fixiert: dritter Preis.

Haruma Sato aus Japan, 21 Jahre jung und seit 2016 bei Jens Peter Maintz in Berlin studierend, nahm sich Dmitri Schostakowitschs düster-resignatives 2. Cellokonzert vor, wahrlich kein Triumphstück. Doch der kleine Japaner hat ein Kämpferherz und ein vorwärtsdrängendes Temperament. So stürzte er sich in das von Melancholie, Sarkasmus bis zur Groteske geprägte Stück, das sich nur im letzten Satz zu ein paar plötzlichen freundlichen Aufhellungen bewegt. Das braucht langen Atem, großräumige Disposition und vor allem immensen Farbreichtum. Den bot Sato zwar nicht, auch das "Gespräch" mit dem Orchester hätte gewiss vielfältiger und intensiver sein können, denn auch dieses Konzert ist symphonisch angelegt und kein Solostück mit obligater Begleitung. Doch Satos Einsatzfreudigkeit und seine Direktheit überzeugten das Publikum, und die Jury offenbar noch mehr: erster Preis.

Es dürfte bei der Schlussberatung knapp zugegangen sein, weil Friedrich Thiele, hochgewachsen, 22 Jahre alt, bei Wolfgang Emanuel Schmidt in Weimar studierend, das Schumann-Konzert am Ende so erzählerisch, farbenreich und poetisch darstellte, geradezu eingesponnen in das wie ausgewechselt agierende Orchester, dass ein Beifallsorkan antwortete: "nur" zweiter Preis, dafür noch Publikumspreis und der Preis für die beste Darbietung des Auftragswerks von Martin Smolka. Alle drei Musiker berechtigen zu großen Hoffnungen.