Frankreich:Alfred Grosser ist tot

Frankreich: Alfred Grosser bei einem Interview im November 2009.

Alfred Grosser bei einem Interview im November 2009.

(Foto: Thomas Coex/AFP)

Der Publizist und Politologe ist im Alter von 99 Jahren in Paris gestorben. Er galt als einflussreiche Stimme für die deutsch-französischen Beziehungen.

Der deutsch-französische Politologe Alfred Grosser ist tot. Das hat sein Sohn Pierre der französischen Zeitung Le Monde bestätigt. Er starb demnach in Paris. Grosser wurde 99 Jahre alt und galt als wichtige Stimme vor allem auf dem Feld der deutsch-französischen Beziehungen.

Der gebürtige Frankfurter emigrierte im Jahr 1933 nach Frankreich, da er wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nazis verfolgt wurde. Nach dem Krieg lehrte er am Institut d'études politiques de Paris und arbeitete für verschiedene Medien. Neben seiner Lehrtätigkeit war ihm ein Thema besonders wichtig: die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich.

Während des Zweiten Weltkriegs war Grosser teilweise im Widerstand gegen die Besatzer in Frankreich tätig. In den Jahren danach leitete er die Sendungen für die deutsche Jugend im französischen Rundfunk. Später wurde er Professor in Paris. Einfluss nahm er vor allem als Buchautor, Kolumnist und Teilnehmer an Talkshows - dort bereitete er den Weg zur Annäherung der einstigen sogenannten Erbfeinde Frankreich und Deutschland. Seit der Jahrtausendwende erregte er zudem viel Aufmerksamkeit durch seine Kritik an der Regierung Israels, deren Siedlungs- und Besatzungspolitik er für falsch hielt.

Grosser lebte in Paris. Mit seiner Frau Anne-Marie Jourcin hatte er vier Söhne.

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