Sprachlabor Wenn's stürmt und schneit

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Ein Leser vermutet hinter einem Satz in einem Text über Island den ersten "Islandismus" in der deutschen Sprache. Ein anderer moniert Umgangssprache. Doch haben die Leser recht? Unser Sprachlaborant Hermann Unterstöger klärt auf.

Von hermann Unterstöger

"DIE SCHALLGESCHWINDIGKEIT", doziert unser Leser B., "bleibt bis auf Weiteres dort, wo Ernst Mach sie einst hingesetzt hat." Die nach diesem benannte Mach-Zahl M gibt, wie wir dem Lexikon entnehmen, das Verhältnis der Geschwindigkeit v eines Körpers im umgebenden Medium zur Schallgeschwindigkeit c des Mediums an. Wenn wir das und Leser B. richtig verstehen, ist die Schallgeschwindigkeit eine feste Größe, weswegen ein legendäres Fluggerät einst nicht dazu dienen konnte, die "Schallgeschwindigkeit noch deutlich zu erhöhen". Man wollte wohl nur schneller sein als diese.

DER ERSTE ISLANDISMUS in der deutschen Sprache? Unser Leser R. wittert ihn in der Formulierung "draußen stürmte es und schneite", die in einem Text über einen isländischen Kriminalfall vorkam. Stürmen und schneien sind unpersönliche Verben, genauer gesagt Witterungsimpersonalia. Sie können nur in Verbindung mit es verwendet werden, und zwar so, dass bei mehreren dieser Verben das es am Ende der Folge steht: "Draußen stürmte und schneite es." Von Islandismen ist das Deutsche frei, doch besteht bei Laien die Gefahr, dass sie beispielsweise dóttir als "Falschen Freund" missverstehen. Die Sängerin Björk Guðmundsdóttir ist nicht Guðmundur Gunnarssons Dotter, sondern seine Tochter.

SVENJA SCHULZE will nach unserer Lesart die Autohersteller dazu zwingen, "die Dieselmotoren nachzurüsten - und zwar auf deren Kosten". Nun rätselt Leser H., ob und wie man von zahlungsunwilligen Dieselmotoren Geld eintreibt.

WO LIEGT DIE GRENZE der Umgangssprache zur Hochsprache? Leser Dr. S. sah sie überschritten, als es im Sprachlabor hieß, dass sich "kaum noch wer" aufrege. Ob sich, fragt er, jemand, nämlich er, darüber aufregen solle. Das Labor gibt klein bei und verkriecht sich hinter Wilhelm Busch: "Oft trifft man wen, der Bilder malt, / viel selt'ner wen, der sie bezahlt."