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Sprachlabor:Von Hosenanzügen und anderen Textilien

Was modemäßig ein Must-have sein mag, ist im Englischen völlig unsinnig: Ein Suit ist ein Suit, ohne Hose gibt es den nicht, in Deutschland übrigens auch nicht. Und: Was es heißt, in Wolle gefärbt zu sein.

FRÜHLINGSGRÜSSE schickt uns unser Leser R., das aber ohne große "Hoffnung auf Beratungseffizienz". Es geht ihm um den alten, doch nie veralteten Hinweis, dass das englische Wort administration in Verbindung mit US-Präsidenten nicht Administration bedeutet, sondern Regierung. Da R. klingt, als sei schon alles verloren, sei hier vermeldet, was das Archiv dazu sagt. Nachforschungen haben ergeben, dass sich in der deutschen Presse Administration und Regierung halbwegs die Waage halten, außer bei Obama, wo man wohl ein Zusammentreffen zweier "a" in Obama-Administration vermeiden wollte und mehrheitlich auf Regierung auswich. Die SZ übersetzt bevorzugt mit Regierung, wenn auch nicht in dem Ausmaß, dass wir Herrn R.s Frühlingsgrüße reinen Gewissens erwidern könnten.

VOM HOSENANZUG hören wir, dass er "mehr denn je ein Fashion Must-have" sei. Wie aber soll man daran glauben, wenn andererseits Leser E. sagt, das Wort Hosenanzug sei unsinnig. Anzüge seien hierzulande nur mit Hosen denkbar, weswegen die im Englischen gängige Unterscheidung zwischen suit und trouser suit im Deutschen nicht nachgeahmt werden könne. Wir nehmen das zu Protokoll, sehen aber angesichts dessen, dass der Hosenanzug mit Hosenanzug sehr präzise beschrieben ist, keine Chance, da eine Wende herbeizureden.

BLEIBEN WIR NOCH KURZ bei den Textilien. Von farbigen Stoffen, die nicht erst als Tuch gefärbt wurden, sondern schon als unverarbeitete Wolle, und die deshalb besonders farbecht waren, sagte man, sie seien in der Wolle gefärbt - eine Redensart, die man auch auf unverfälschte (heute meist: authentische) Menschen anwendet. Als nun Jeremy Corbyn "ein in der Wolle gewaschener Leaver" genannt wurde, protestierte Leser Sch. dagegen mit dieser Begründung: Er ziehe es vor, "ein in der Wolle gefärbter Wäscher des falschen Sprachgebrauchs zu sein als ein in der Wolle gewaschener Färber des richtigen".