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Sprachlabor:Vom Schafkopfen, Antikem und der Bettkante

Wenn Kartenspieler debattieren, hat das etwas fortgeschritten Stammtischhaftes. Und wenn geflügelte Worte wie das von der B.-Kante stoßen falsch gebraucht werden, etwas Komisches.

EINE SCHAFKOPFRUNDE fand neben Mischen, Geben und Spielen Zeit, unsere Überschrift "Göhrs Weltrekord überboten" zu erörtern. Kern der Sportmeldung: Wozu Marlies Göhr vor 42 Jahren noch 10,88 Sekunden gebraucht hatte, das schaffte Sha'Carri Richardson jetzt in 10,75 Sekunden. Das könne er auch, sagte einer aus der Runde, die schiere Menge der aufzuwendenden Zeit sei durch langsameres Laufen leicht zu überbieten. Ein anderer meinte, der Rekord sei durch Unterbieten der Zeit überboten worden. Das ist wohl auch die Lösung: Egal, ob beim 100-Meter-Lauf 10,88 Sekunden unterboten oder beim Kugelstoßen 22,67 Meter überboten werden, der Rekord wird allemal überboten. So, Männer, und nun wird wieder geschafkopft. Wer gibt?

WAS IN DER ANTIKENABTEILUNG der SZ los sei, fragt Leserin R.-G. Der Grund: In der Fernsehbeilage wurde die Komödie "Gendering" als neue Version von "Lysistrata" angekündigt, "sehr frei nach dem großen Aischylos". Das war ein Raub an dem nicht minder großen Aristophanes, dem dafür im Feuilleton der "Kugelmenschen"-Mythos zugeschrieben wurde, der in Wahrheit von Platon ist. Das heißt, ganz so einfach ist der Fall nicht, denn Platon dreht es im "Symposion" so hin, dass sehr wohl Aristophanes den Mythos zur Sprache bringt, allerdings mit Verspätung, weil er, als die Reihe an ihm ist, vom Schluckauf befallen wird. Dieser vergeht, so Platon, nachdem Aristophanes ihn auf Anraten des Arztes Eryximachos mit Niesen bekämpft. So viel für heute aus unserer Antikenabteilung.

DER BETTKANTE, einem an sich unverfänglichen Ort, wächst Verruchtheit zu, wenn sie in die Wendung "jemanden von der B. stoßen" eingeht. Über Ralf Rangnick hieß es, er stieße einen DFB-Präsidenten, der ihn als Bundestrainer wollte, "nicht von der Bettkante". Leser D. fände mehr Gefallen an der Metapher, wenn es irgendwann eine DFB-Präsidentin gäbe. So viel Zeit dürfte Rangnick aber nicht haben.