Sprachlabor:Irren ist menschlich

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Eine mittlere Zwiebel, erklärt ein Leser, ist die, die in der Mitte liegt. Doch ergibt die Angabe im Rezept Sinn? Ein anderer hat Probleme mit dem Wort Verteidigungsminister. Darf, der der Krieg führt, sich überhaupt so nennen?

Von Hermann Unterstöger

DIE SEHNSUCHT nach Italien ist nur unwesentlich größer als die Menge der Fehler, die deutscherseits im Italienischen gemacht werden, wobei sich der Klassiker, wonach caldo mit kalt (freddo) statt mit warm wiedergegeben wird, mittlerweile erledigt haben dürfte. Jetzt macht Leserin M. auf einen an Graffito/Graffiti erinnernden Kasus aufmerksam. Der buttadentro, der Leute in Gaststätten locken soll, hieß bei uns auch in der Mehrzahl so, wogegen Frau M. die Pluralform buttadentri ins Feld führt. Doch da irrt sie sich, si sbaglia. Beim buttadentro sind Singular und Plural gleich, ähnlich wie bei dem Wort für Stadt: la città, le città.

ES IRRT SICH aber auch unser Leser Th., der die in einem Rezept vorgeschriebene "mittlere Zwiebel" als die in der Mitte einer Zwiebelreihe liegende versteht. Es müsste sich, räsoniert er, um eine ungerade Anzahl von Zwiebeln handeln; bei gerader Anzahl wäre eine wegzuwerfen. Schön ausgetüftelt, doch handelt es sich ganz einfach um eine mittelgroße Zwiebel, vage vergleichbar dem Postbetriebsinspektor, der zwischen dem Postoberschaffner (einfacher Dienst) und dem Postamtmann (gehobener Dienst) den mittleren Dienst repräsentiert.

FÜR FALSCH hält es Leser W., wenn Sergej Schojgu "Verteidigungsminister" genannt wird: "Armee-" oder "Kriegsminister" träfe es doch besser. Hier sind uns aber die Hände gebunden, da Schojgu nun mal den Titel "Verteidigungsminister" (ministr oborony) trägt. Man könnte sich allenfalls, wie einst bei der DDR, mit "sogenannt" distanzieren, doch wäre damit auch niemandem geholfen.

"SO" UND "DERART" stehen für das Maß einer Eigenschaft: so dumm, dass es wehtut; derart kalt, man glaubt es nicht. Leserin St. hat nun auch bei uns die Marotte entdeckt, "so derart" als Einheit zu verwenden. Das ging ihr so derart gegen den Strich, dass sie spontan ein kurzes Plädoyer für mehr Sprachlogik einsandte.

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