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Sprachlabor:Halbscharig

Soll man diesen bayerischen Begriff wirklich ins Hochdeutsche übersetzen? Und: Wie geht man am besten mit Resultaten und Folgen um, noch dazu, wenn englische Redewendungen in dem Kontext nur verwirren.

"QUO USQUE TANDEM, wie lang noch!" So eröffnete Cicero die erste seiner vier Reden gegen Catilina, und seitdem gelten diese Worte als Ausdruck dafür, dass man mit seiner Geduld am Ende sei. Das ist auch Leser M., der, ein zweiter Cicero, uns die Frage entgegenschleudert, wie oft er denn noch darauf hinweisen müsse, dass Strafanzeigen nicht gestellt , sondern erstattet werden - gestellt werden Strafanträge. Wer also zu wissen glaubt, dass ihm der Nachbar die Gartenschere geklaut hat, schreibe der Polizei: "Ich erstatte daher gegen Herrn N. N. Strafanzeige wegen Diebstahls und stelle vorsorglich gegen ihn Strafantrag aus allen rechtlichen Gesichtspunkten."

"KORREKT?", fragt Leserin M. und meint damit ihren Vorwurf, dass in einem Text über Pierre Bonnard Ursache und Wirkung verwechselt worden seien. Dort hatte es geheißen: "Die Zerstörung, die Bonnard erlebt, resultiert unmittelbar in der Zersetzung der eigenen Malerei", während es doch für Frau M. unstrittig ist, dass die Zersetzung aus der Zerstörung resultierte. Im Alltag wird resultieren so verwendet. Manche Wörterbücher bieten aber auch die Variante resultieren in im Sinn von zur Folge haben, wobei nicht auszuschließen ist, dass dafür das englische to result in something (zu etwas führen) Pate gestanden haben könnte.

DAS WORT "HALBSCHARIG" kommt bei uns nur selten vor, einmal zum Beispiel bezogen auf ein Ballett, das sich "halbscharig um eine mittelalterliche Ménage à trois" rankte. Leser R. plädiert für eine Übersetzung ins Hochdeutsche, die gern nachgeliefert sei. Ludwig Zehetner, auf den man in solchen Fragen bauen kann, übersetzt halbscharig mit von zweifelhafter Qualität oder nicht ganz ernst zu nehmen. Hier seine Herleitung: "Übertragen vom Ackern mit nur halber Pflugschar, d. h. nur oberflächlich, so dass die Arbeit unbefriedigend bleibt." Das hört sich schlüssig an, wirft aber auch die Frage auf, was mit der Ménage à trois passiert, wenn ein Ballett sie schlampig umpflügt.

© SZ vom 18.01.2020
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