Weitere Briefe:Energie sparen, nachhaltig leben

Lesezeit: 2 min

Neue Sprachideen mit unsinnigem Inhalt verärgern SZ-Leser ebenso wie der inflationär gebrauchte Begriff "Nachhaltigkeit" und die Spartipps aus dem Wirtschaftsministerium.

"Steter Tropfen" vom 7. Juli:

Ein Hoch auf den Waschlappen

Den Wasser- und Energie-Einsparmaßnamen sowie dem empfohlenen Duschsparknopf möchte ich noch etwas Effektiveres hinzufügen: Aus meiner Kindheit nach dem Zweiten Weltkrieg weiß ich, dass auch normales Waschen mit Waschlappen (noch weniger Wasserverbrauch) sauber macht. Gestunken haben die Leute deshalb nicht. Es würde völlig ausreichen, neben dem Waschen nur ein- oder zweimal wöchentlich zu duschen oder zu baden.

Brigitte Broßmann, Neubiberg

Zug um Zug

Zu den vorgeschlagenen Duschenergieeinsparungen aus Habecks Ministerium kann ich mit lachendem und weinendem Auge sagen: Ich möchte erst dann mein Duschverhalten reduzieren, sobald Tempo 100 auf den Autobahnen eingeführt wird. Und den Duschkopf werde ich erst dann auswechseln, wenn dafür ein SUV in einen Kleinwagen getauscht wird. Zug um Zug, Auge um Auge!

Robert Philipp, Pöcking

Wie Greta es wollte

Seit einiger Zeit wird mir gesagt, dass unser Energieverbrauch die Zukunft unserer Kinder infrage stellt. Greta ist dafür auf die Straße gegangen, viele Schüler mit ihr. Sie war bei den UN in New York, alle haben davon gesprochen - und keiner hat etwas gemacht. Seit vier Monaten wird mir gesagt, dass die Grenzen der Ukraine so wichtig sind, dass wir dafür unsere Energieversorgung aufs Spiel setzen müssen. Alle haben davon gesprochen, sogar die UN in New York. Inzwischen ergreifen wir Maßnahmen, um den Energieverbrauch zu drosseln - wie Greta es wollte. Dass das der Zukunft unserer Kinder dient, kann ich nicht erkennen. Wir ziehen Alternativen in Betracht, die genau das Gegenteil bewirken. Sollten die Grenzen der Ukraine wichtiger sein als die Zukunft unserer Kinder?

Dr. Wolfgang Plasa, Berlin

"Europäisches Parlament stimmt Taxonomie zu" vom 6. Juli, "Die Grünwäscher" und "Kern des Streits" vom 7. Juli:

Neusprech

Endlich mal eine kreative Sprachidee der EU. Die SZ berichtete, dass die EU zukünftig Erdgas und Atomkraft als nachhaltig einstufen will. Hatte George Orwell nicht schon 1949 in seinem berühmten Roman "1984" über Neusprech geschrieben: "Freiheit ist Sklaverei" und "Unwissenheit ist Stärke"? Ich finde die Idee, Atomkraft und Gas als umweltfreundlich einzustufen, geht noch nicht weit genug. Der eingeschlagene Weg europäischen Neusprechs könnte konsequent fortgesetzt werden: tierfreundliche Artenausrottung, staubfreie Atomwaffen, soziale Cum-Ex-Geschäfte, einflusslose Energiekonzerne, klimagerechtes CO₂, kurzlebiger Atommüll, menschenfreundliche Niedriglöhne, gemeinwohlorientierte Steueroasen, emissionsarmer Weltraumtourismus...

Axel Mayer, Endingen

Nicht alles muss geadelt werden

Nicht jedes notwendige Übel muss mit dem Etikett "Nachhaltigkeit" geadelt werden. Die EU-Kommission hat das aber mit ihrer Taxonomie, die auch Atomkraft und Gas als "grün" betrachtet, getan. Die Frage ist, ob der Begriff "Nachhaltigkeit" überhaupt noch eine Auszeichnung darstellt. Durch inflationären Gebrauch ist er stark entwertet. Die EU hat das nicht ausgelöst, aber sie setzt noch einen drauf. Eine Steigerung - oder besser: ein noch tieferes Sinken - ist aber denkbar. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine wandelt sich die Haltung gegenüber Kriegswaffen von "igitt, bloß nicht" zu "notwendiges Übel" - auch bei mir. Soll es demnächst also auch Aktien von Rüstungskonzernen in Ökofonds geben? Eine gruselige Vorstellung.

Dr. Eduard Belotti, Augsburg

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