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Verhasstes Großraumbüro:Fehlende Rückzugsräume

43 Prozent der befragten Mitarbeiter bestätigen, dass durch die Umgestaltung tatsächlich mehr miteinander gesprochen werde, 48 Prozent sehen keinen Unterschied zu früher. Die fachliche Kommunikation untereinander fördern - dies wird immer wieder als Grund für die Zusammenlegung von Büros genannt. Für nur 20 Prozent steigt dadurch die Arbeitseffizienz, 36 Prozent halten dagegen ihre Arbeit im Großraumbüro für weniger effizient als früher. Stadler wundert diese sehr unterschiedliche Bewertung nicht: "Die Kommunikationsbedürfnisse sind je nach Tätigkeit verschieden. Für das Marketing und den Vertrieb ist enger Kontakt wichtig, die Buchhaltung braucht mehr Ruhe, um konzentriert rechnen zu können. Es muss nicht jeder mit jedem reden können."

Kleine Typologie der Kollegen

Vorsicht, Diva im Bürostuhl

Lärm und Ablenkung werden von mehr als einem Drittel der Mitarbeiter im Großraumbüro als sehr störend und von weiteren etwa 40 Prozent als störend empfunden. Dazu gehören ständiger Durchgangsverkehr, laute Gespräche, Telefonklingeln und Telefonate am Nachbartisch, zu wenig Rückzugsbereiche und ein Niedergang der Umgangskultur: Auf den Einzelnen werde immer weniger geachtet.

"We're trying to work here. Keep quiet, please! Bitte leise sein!" Mit diesem Schild versucht eine Abteilung eines internationalen IT-Konzerns die Kollegen zu mehr Rücksicht zu bewegen. "Hier geht es zu wie in einer Bahnhofshalle", lautet das Urteil eines Befragten. Dazu kommt Kritik an den Lichtverhältnissen oder an den von Klimaanlagen geregelten Bürotemperaturen. Dem einen ist es zu warm, dem anderen zu kalt.

"Der Trend zurück zu den Großraumbüros setzt sich durch, deswegen ist ein gutes Konzept bei der Umsetzung von wesentlicher Bedeutung. Bislang wurden Mitarbeiter meist nur gefragt, wie viel Platz sie brauchen, aber ihre Wünsche bei der Umgestaltung werden kaum berücksichtigt", sagt Stadler. Sie sieht derzeit vor allem zwei Entwicklungen: Zunehmen würden die "open offices", offene Bürolandschaften mit einer Größe von bis zu 400 Quadratmetern, in denen sich auch Rückzugsräume, Besprechungszonen und informelle Treffpunkte mit Couch und Kaffeeautomaten befinden. Dieses Modell spare Platz und Kosten gegenüber Einzelbüros. "Wichtig ist hier, dass es genügend Rückzugsbereiche gibt und sie für jeden Mitarbeiter offenstehen. In einigen Unternehmen sind sie nur für Angestellte höherer Hierarchien zugänglich", so Stadler.

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