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Verbraucherbildung in der Schule:Zehnte Klasse und keine Ahnung

Sie wissen nicht, was ein Girokonto ist und glauben, bei Online-Bestellungen müssten sie immer ihre private Telefonnummer angeben: Weil Jugendliche in Geldangelegenheiten zu naiv sind, soll sich der Schulunterricht ändern.

Was wissen Jugendliche über Finanzen, Verträge und Datenschutz? Nicht genug. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, die Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner in Auftrag gegeben hat. Laut der Umfrage, die sie an diesem Dienstag vorstellen wird, glaubt beispielsweise jeder fünfte Zehntklässler, ein Girokonto richte man ein, "um angemessene Zinsen auf Ersparnisse zu erhalten". Weitere 19 Prozent glauben, es sei generell zum Ansparen geeignet. Jeder Zehnte hat überhaupt keine Ahnung, was ein Girokonto ist. Und zwei Drittel der Befragten wissen nicht, worauf sie achten müssen, wenn sie einen Handyvertrag abschließen.

JUGENDLICHE MIT HANDYS

Sie telefonieren damit - aber worauf sie beim Abschluss eines Handy-Vertrags achten müssen, wissen die meisten Jugendlichen nicht. Deshalb soll Verbraucherwissen jetzt auch auf dem Stundenplan der Schulen stehen.

(Foto: dpa)

Natürlich kann man die Frage stellen: Warum muss ein Zehntklässler wissen, was ein Girokonto ist? Warum soll er wissen, welche Rechte er als Verbraucher hat und worauf er bei einem Vertragsabschluss achten muss? Wer 40 Jahre alt oder älter ist, wird vermutlich die Schultern zucken und sagen: "Das haben wir früher auch nicht gewusst." Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied. Vor 20 Jahren hatten Zehntklässler kein Handy, sie luden keine Musiktitel aus dem Internet herunter und kommunizierten nicht in Online-Netzwerken.

"Die moderne Konsum- und Informationsgesellschaft bietet Verbrauchern eine ungeahnte Fülle an Waren und Dienstleistungen", stellt Aigner fest. "Gerade junge Menschen sind hier in besonderem Maße gefordert, häufig auch überfordert." Und deshalb will die CSU-Politikerin jetzt aktiv werden mit einer bundesweiten Bildungsinitiative.

"Verbraucherbildung muss schon in der Schule beginnen", sagt Aigner der Süddeutschen Zeitung. Die Ministerin denkt dabei weniger an ein eigenes Schulfach als vielmehr daran, die entscheidenden Verbraucherfragen in die Lehrpläne verschiedener Fächer aufzunehmen. "So kann etwa die Frage, ob ein Girokonto wirklich zum Ansparen von Kapital geeignet ist, im Mathematikunterricht behandelt werden", sagt sie. In den Informatik-Unterricht, in Wirtschaft und Recht oder in Sozialkunde könne der Schutz persönlicher Daten im Internet aufgegriffen werden.

Naiv, das ist wohl die Bezeichnung, die das Verhalten einiger Jugendlicher am ehesten beschreibt. So glaubt ein Drittel der Zehntklässler, man sei bei einer Online-Bestellung verpflichtet, immer auch seine private Telefonnummer anzugeben. Ebenfalls ein Drittel der Befragten ist überzeugt, sie dürften auf ihrer Homepage Musiktitel, die sie aus dem Netz geladen haben, veröffentlichen. Es gebe "gravierende Wissenslücken", stellt Aigner fest.

An diesem Montag und Dienstag diskutiert sie ihre Bildungsinitiative mit Wissenschaftlern und Praktikern in Berlin. Weil Bildung jedoch Ländersache ist, kann sie als Bundesministerin nur Anregungen geben und koordinieren. Kern ihrer Initiative ist ein "Online-Kompass", den der Bundesverband der Verbraucherzentralen gerade erarbeitet und der Mitte 2011 freigeschaltet werden soll.

Er soll geeignetes Unterrichtsmaterial, das im Netz an verschiedenen Stellen vorhanden ist, bündeln und nach Themen sowie nach Relevanz ordnen. Dabei geht es um die Bereiche Finanzen, Medien und Ernährung. "Ziel ist, besonders für Lehrkräfte einen besseren Zugang zu praxistauglichen Unterrichtsmaterialien zu schaffen", erklärt Aigner. Denn: "Gerade junge Menschen müssen Alltagskompetenzen erwerben, so umfassend und so früh wie möglich."

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