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Studiengang Islamische Theologie:Kein "Super-Moslem" als Professor

In Deutschland soll in diesem Jahr der erste Studiengang für islamische Theologie eingerichtet werden. Mögliche Standorte gibt es bereits, aber nur wenigen Gelehrten traut man die Professur zu.

Es war nicht nur Höflichkeit, die den indonesischen Islamgelehrten Amin Abdullah von einem "historischen Ereignis" sprechen ließ. Der Rektor der islamischen Universität in Yogyakarta ist ein wichtiger Förderer des Dialogs zwischen den Religionen, und nun sprach er auf einer Tagung des Wissenschaftsrats in Köln über die Pläne, an deutschen Universitäten eine islamische Theologie aufzubauen. Abdullah erhofft sich davon einen "neuen zivilen Diskurs über den Islam" in Europa. Akademische Freiheit bedeute, dass Studenten auch kritische Fragen an die Texte ihres eigenen Glaubens richten dürfen.

Gebetsraum Islam Schule Urteil

Noch in diesem Jahr soll der erste Lehrstuhl für Islamische Theologie in Deutschland eingerichtet werden.

(Foto: ddp)

Es sind solche nachdenklichen Gelehrten, die sich viele Politiker auf den Islam-Lehrstühlen wünschen, die an deutschen Universitäten entstehen sollen. Anfang des Jahres hatte der Wissenschaftsrat, das wichtigste Beratungsgremium von Bund und Ländern in der Hochschulpolitik, entsprechende Institute empfohlen. Anders als bei der Islamwissenschaft geht es um eine bekenntnisorientierte Islamlehre, analog zu den christlichen Theologien. An den Instituten sollen Imame, islamische Religionslehrer, Sozialarbeiter und künftige Professoren ausgebildet werden. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will die Länder beim Aufbau finanziell unterstützen. In Köln kündigte sie an, bis Ende des Jahres könne einer der geplanten drei bis vier Standorte feststehen.

Interesse haben bisher unter anderem die Universitäten in Münster, Tübingen und Nürnberg-Erlangen signalisiert. Modellstudiengänge gibt es außerdem bereits in Frankfurt und Osnabrück. Der Frankfurter Islam-Professor Ömer Özsoy warnte allerdings vor "unüberlegten Schnellschüssen" und Studiengängen, die "voreilig zusammengeschustert" werden. Entscheidend müsse die wissenschaftliche Qualität sein.

In Deutschland gibt es nur wenige Islamgelehrte, denen man eine Professur zutraut. Bei der Besetzung der Lehrstühle sollen Beiräte mitsprechen, in denen die Vertreter der muslimischen Verbände sowie unabhängige muslimische Persönlichkeiten sitzen. Die genaue Zusammensetzung und Arbeitsweise der Beiräte ist ein heikles Thema. Auf der Tagung plädierten mehrere Teilnehmer dafür, den Einfluss der Verbände zu begrenzen. Sie einzubinden, ist jedoch notwendig, damit die neuen Islam-Lehrstühle in den Moscheegemeinden akzeptiert werden. Die liberale islamische Theologin Lamya Kaddor warb für ein pragmatisches Vorgehen. Es gebe keine Alternative zu den geplanten Beiräten, man werde es niemals schaffen, Islam-Institute in Deutschland aufzubauen, wenn die Ansprüche zu hoch gesetzt würden und "wir den Super-Moslem suchen".

Der Historiker Lutz Raphael, der maßgeblich am Konzept des Wissenschaftsrats mitgewirkt hatte, forderte "pragmatische Weisheit" und "Mut zum Experiment". Befürchtungen von Muslimen, sie könnten vereinnahmt werden, trat er entgegen mit dem Hinweis, es gehe nicht darum, einen "BRD-Islam mit staatlichem Gütesiegel" zu entwickeln.

Ein kleine Schar von Demonstranten hatte ganz andere Einwände. Sie protestierten dagegen, dass der Staat überhaupt den Islam an den Universitäten fördern will. Mina Ahad, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, durfte die Kritik im Plenum kurz vortragen. Religion müsse Privatsache sein, sagte sie. Den Vertretern des politischen Islam dürfe man kein Forum an den deutschen Hochschulen geben. Viele Teilnehmer der Tagung hatten keine Lust, Ahads pauschale Kritik anzuhören, und verließen den Saal. Ein paar Stunden zuvor hatte Amin Abdullah, der Islamgelehrte aus Indonesien, eindringlich betont, Universitäten müssten den "religiösen Pluralismus" anerkennen. Eine Tugend sei besonders wichtig: einfühlendes Zuhören.

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