Stellenwechsel 29 Tage bis zum Job

  • Eine neue Studie legt nahe, dass es für Jobsuchende länger dauert als noch vor einigen Jahren, bis sie die Zusage für eine Stelle erhalten.
  • So müssen Kandidaten in Deutschland nach ihrer Bewerbung im Schnitt 29 Tage warten, bis sie einen Job bekommen. In den USA und Kanada dauert die Jobsuche etwas kürzer.
Von Alexander Hagelüken

Durch das Internet geht alles schneller, heißt es immer. Auch auf dem Arbeitsmarkt. Diese Erfahrung machte kürzlich der Medienkonzern Bertelsmann, erzählt der auf digitale Personalsuche spezialisierte Professor Tim Weitzel: Weil der geeignete Bewerber per Smartphone reagierte, hatte Bertelsmann seinen Kandidaten schon 60 Minuten, nachdem der Konzern die Stelle ins Netz gestellt hatte.

Dieses Tempo ist aber offenbar nicht repräsentativ, im Gegenteil: Eine neue Studie legt nahe, dass es für Bewerber inzwischen trotz Internet sogar länger dauert, bis sie die Zusage für eine Stelle erhalten. So müssen Kandidaten in Deutschland nach ihrer Bewerbung im Schnitt 29 Tage warten, bis sie einen Job bekommen - drei Tage länger als vor fünf Jahren. Die Zahlen stammen vom US-Stellenportal Glassdoor, das sich darauf spezialisiert hat, Stellensuchern Insider-Informationen über Gehälter und Gepflogenheiten der Firmen zu liefern, für die sie sich interessieren.

Glassdoor untersuchte die Lage in sechs Ländern anhand von mehr als 300 000 Bewerbungsgesprächen, wobei nur Zusagen und keine Absagen analysiert wurden. Fazit: In den Vereinigten Staaten (23 Tage) und Kanada (22 Tage) geht es schneller als in Deutschland, in Großbritannien und Frankreich dauert es etwa genauso lang. Aber länger als vor ein paar Jahren dauert es überall.

Kandidaten werden genauer durchgecheckt

Der Grund dafür dürfte für die Arbeitnehmer wichtiger sein als die Frage, ob sie jetzt etwas länger warten müssen: Unternehmen checken nämlich laut der Studie ihre Kandidaten immer genauer durch. Die umfassendsten Erkenntnisse darüber gibt es aus den USA, wo Glassdoor anders als in Deutschland schon seit Längerem Daten sammelt. Weil aus den Vereinigten Staaten häufig Trends über den Atlantik schwappen, dürften die Fakten für deutsche Arbeitnehmer aufschlussreich sein.

Demnach dauern nicht nur durchschnittliche Interview-Prozeduren im Schnitt dreieinhalb Tage länger. Es werden auch bestimmte Auswahlmethoden, die den Bewerbungsprozess verlängern, seit 2010 häufiger angewandt: Persönlichkeits- und Qualifikationstests (sechs bzw. sieben Prozent öfter), medizinische Untersuchungen (zehn Prozent) und Prüfungen des Hintergrunds eines Kandidaten (17 Prozent). Das legt nahe, dass Unternehmen Bewerber zunehmend ausleuchten, auch mit umstrittenen Standardverfahren. Auch Drogentests nehmen zu.