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Phorms-Privatschule München:Lernen im vierten Gang

Französischunterricht auf Englisch und ein "Schüler der Woche": Armin Eifertinger war der Staatsdienst zu behäbig, jetzt erprobt er an einer Privatschule neue Pädagogikansätze.

Armin Eifertinger ist es gewohnt, auf höfliche Art für Disziplin zu sorgen. Privat als Vater von drei Kindern - und beruflich als Leiter der Phorms-Schule im Münchner Stadtviertel Bogenhausen, wo er die Verantwortung für knapp 500 Schüler hat. So schnell kann ihn nichts aus der Ruhe bringen - außer, wenn es zu ruhig wird.

Armin Eifertinger leitet die Phorms Privatschule in München und zelebriert dort eine Mischung aus Disziplin und Offenheit.

(Foto: Catherina Hess)

Das war wohl auch der Grund, warum er vor acht Jahren ein bequemes Leben als verbeamteter Lehrer für Wirtschaft und Sport am Gymnasium in Erding aufgab und mit seiner Frau, seinen beiden Töchtern und seinem Sohn nach Brüssel zog, um dort eine deutsche Fachoberschule aufzubauen. "Es war die erste Fachoberschule im Ausland, die von der Kultusministerkonferenz anerkannt wurde", sagt er stolz. Und: "Im Ausland fährt man im Schulwesen im vierten Gang, hier im ersten."

Als er zurückkam, ist es ihm schwergefallen, zurückzuschalten. Weil er wieder in den Staatsdienst wollte, bewarb sich Eifertinger im Kultusministerium als stellvertretender Schulleiter. Spätestens beim Vorstellungsgespräch wurde ihm klar, dass in Bayern eigene Regeln gelten. "Die erste Frage war: ,Wie alt sind Sie eigentlich?'", erinnert sich Eifertinger und wirkt dabei noch heute empört. "Die hat gar nicht interessiert, was ich kann." Eifertinger hat den Posten nicht bekommen, weil er zu jung war. "Sie wollten lieber einen honorigen Schulleiter über 50 mit Bauchansatz", sagt er. "Jemanden, der seine Aufgabe vor allem in der Erfüllung der Gesetze sieht."

Eifertinger ist das Gegenteil eines Beamtentypus. Er muss eher Lücken im Gesetz suchen und Spielräume ausloten, um das Beste für die Kinder seiner Schule herauszuholen. Für ihn zählt vor allem, was jemand kann - woher jemand kommt, ist unwichtig. Ganz bewusst nimmt er nicht nur Schüler aus reichen Elternhäusern auf. Das Schulgeld wird gestaffelt nach dem Einkommen berechnet. Offenheit gegenüber anderen Kulturen gehört zum Konzept der Phorms-Schule. Unterrichtet wird auf Deutsch und auf Englisch. "Phorms ist die pädagogische Antwort auf die Globalisierung der Welt", sagt Eifertinger.

Das führt fast zwangsläufig immer wieder zu Kollisionen mit der Mir-san-mir-Mentalität im bayerischen Kultusministerium. Etwa wenn es darum geht, englischsprachige Lehrer anzustellen. Erst vor kurzem glaubte Eifertinger, endlich einen Mathematiklehrer gefunden zu haben. "Der Mann hat 30 Jahre in Kanada unterrichtet", sagt Eifertinger. Das Kultusministerium traute ihm trotzdem nicht zu, bayerischen Schülern das Rechnen beizubringen. Der Mann konnte kein zweites Staatsexamen vorweisen. "Ja, wo soll ich denn einen Mathematik-Lehrer hernehmen?", wettert Eifertinger auf Münchnerisch. "Soll ich mir einen schnitzen?" Und man traut ihm zu, dass er sich schon irgendwie einigen wird mit den Zuständigen im Kultusministerium. So wie bei der Biologielehrerin, die an der amerikanischen Elite-Universität Harvard studiert hat, und die das Ministerium zunächst auch nicht akzeptieren wollte. "Ich habe den Vorteil, dass ich weiß, wie sie dort ticken", sagt Eifertinger.

An der Phorms-Schule werden die Kinder von halb acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends betreut. Der Unterricht beginnt um viertel vor neun und endet um halb vier. Danach gibt es bis 19 Uhr Angebote im Hort. 90 Kinder gehen in den zweisprachigen Kindergarten, wo sie schon im Vorschulalter lesen lernen. 260 besuchen die Grundschule und 150 das Gymnasium, das sich noch im Aufbau befindet.

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