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Gender Pay Gap:Studium lohnt sich für Männer mehr als für Frauen

Studierende in Köln

Studierende in Köln: Ein Uni-Abschluss zahlt sich aus - für Männer allerdings deutlich stärker als für Frauen.

(Foto: dpa)

Frauen werden schlechter bezahlt als Männer - vor allem dann, wenn sie einen akademischen Abschluss haben, zeigt eine neue OECD-Studie.

Frauen werden für ihre Arbeit schlechter bezahlt als Männer, das gilt unabhängig von ihrem Bildungsgrad und ist nicht nur in Deutschland Fakt. Hierzulande stehen Frauen aber mit ihrem Erwerbseinkommen gegenüber Männern besser da als im EU-Durchschnitt. Europaweit verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen je nach Bildungsabschluss zwischen 76 und 79 Prozent dessen, was Männer in vergleichbarer Vollzeittätigkeit bekommen. In Deutschland kommen sie dagegen auf 74 bis 86 Prozent. Einen einsamen Spitzenwert von 93 Prozent am Männereinkommen erzielen Frauen, die älter als 55 sind und den niedrigsten Bildungsgrad haben, also eine nach der neunten oder zehnten Klasse abgeschlossene Schullaufbahn.

Mehr Bildung zahlt sich demnach nicht in Parität bei der Bezahlung aus - im Gegenteil. Dies lassen Zahlen aus der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2019" erkennen, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Frauen mit einem hohen Schulabschluss erreichen in Deutschland einen höheren Anteil am Einkommen der Männer als Frauen, die danach noch ein Studium oder einen berufsakademischen Bildungsgang abschließen. Das ist auch in vielen anderen der insgesamt 46 untersuchten Länder so. Entschließen sich Frauen für den nichtakademischen Weg, bringen sie es in Deutschland auf durchschnittlich 86 Prozent, nehmen sie die akademische Laufbahn, sind es nur noch 74 Prozent. "Das Verdienstgefälle ist in Deutschland auf höheren Bildungsstufen größer", heißt es in der Untersuchung.

Ein Bachelorabschluss bringt 39 Prozent mehr Einkommen

Diese Geschlechterungerechtigkeit bedeutet jedoch nicht, dass es sich nicht lohnen würde zu studieren. Deutsche mit einem Bachelor-Abschluss verdienen 39 Prozent mehr als Deutsche ohne abgeschlossene Hochschulausbildung. Zwar haben sich die Jobchancen für Menschen mit klassischer Berufsausbildung in den vergangenen zehn Jahren von 78 auf 84 Prozent verbessert, sie sind also heute deutlich seltener arbeitslos als früher. Aber von den Verdienstmöglichkeiten der höher Qualifizierten bleiben sie großteils abgeschnitten.

"Bildung zahlt sich aus - je höher der Abschluss, desto besser im Schnitt die Berufs- und Verdienstaussichten", fasst die OECD zusammen. Junge Frauen wissen das, EU-weit studieren sie deutlich häufiger (50 Prozent) als Männer (36 Prozent). Dass sie jedoch von den höheren Gehältern weniger profitieren als Männer, erklären Bildungsforscher mit dem Faktor Familie: Frauenkarrieren verlaufen oft flacher, weil sie häufiger Pausen und Teilzeitphasen enthalten, insbesondere bei Müttern. Und das kommt wiederum besonders oft in Deutschland vor. Jede dritte Akademikerin arbeitet hier in Teilzeit, im Durchschnitt der OECD-Länder dagegen nur jede vierte.

Zudem arbeiten Frauen häufiger in Bereichen, die weniger gut bezahlt sind als andere. Im Sozialwesen etwa oder in Medienunternehmen, in Gesundheitsberufen oder in der Pädagogik. Beispiel Grundschulen: Fast neun von zehn Lehrkräften sind weiblich, ob in Deutschland oder in der gesamten EU. Das Gehalt einer Grundschullehrerin liegt ungefähr zehn Prozent unter dem, was andere Hochqualifizierte in Deutschland durchschnittlich verdienen. Und in den meisten Bundesländern wird es um mehrere Hundert Euro vom Verdienst am Gymnasium übertroffen, wo nur sechs von zehn Lehrkräften weiblich sind.

Grundschullehrerinnen unterrichten mehr und bekommen weniger

Ein Blick auf die Arbeitszeit von Grundschullehrerinnen bestärkt den Eindruck, dass die Schulart mit dem höchsten Frauenanteil benachteiligt ist: Die jährliche Nettounterrichtszeit beträgt laut Studie im Primarbereich 800 Stunden - und liegt damit 56 Stunden über der Unterrichtszeit in der Mittelstufe und 83 Stunden über der Zeit in der Oberstufe. Dieses Missverhältnis zwischen Entgelt und Leistung dürfte auch damit zu tun haben, dass Deutschland in die Grundschulbildung deutlich weniger investiert als in spätere Bildungswege. Bei den Jüngsten liegen die Gesamtausgaben pro Schüler bei etwa 8000 Euro jährlich, in den Jahrgängen der weiterführenden Schulen bei mehr als 10 000 Euro und bei Studierenden klettert die Investition auf durchschnittlich 16 000 Euro. Diese Werte errechnete die OECD als Äquivalente auf Basis der jeweiligen Kaufkraft eines Landes.

Mit diesen Geldbeträgen steht Deutschland bei den absoluten Zahlen zwar besser da als die Länder im EU-Durchschnitt, aber im Verhältnis der Ausgaben zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) verkehrt sich der Vorsprung ins Gegenteil: Während im europäischen Mittel 1,3 Prozent in die Grundschulen fließen, sind es in Deutschland 0,6 Prozent. Der OECD-Vize-Generalsekretär Ludger Schuknecht erinnerte am Dienstag in Berlin daran, dass sich Investitionen besonders dort lohnten, wo Bildungsnachteile am ehesten ausgeglichen werden könnten - in den Grundschulen. Würde das stärker beherzigt, hätte auch der "Frauenberuf" Grundschullehrerin etwas davon.

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