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Niedrige Professorengehälter:Immer dem Geld nach

Viele bayerische Professoren zieht es in die freie Wirtschaft, weil sie dort besser bezahlt werden. Die jüngste Gehaltserhöhung an den Hochschulen nennen sie "skandalös".

Bayerns Studenten könnten demnächst in den Hörsälen womöglich vor leeren Pulten sitzen, weil es kaum noch Dozenten gibt. Wenn diese die Wahl haben, lassen sie sich von der freien Wirtschaft abwerben.

Denn dort werden weitaus bessere Gehälter gezahlt, teilweise das Doppelte - insbesondere den Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Immer mehr entscheiden sich deshalb gegen eine Hochschul-Karriere. Das könnte demnächst für die Hochschulen zum handfesten Problem werden, wenn die Studentenzahlen weiter ansteigen und der doppelte Abiturientenjahrgang kommt.

Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) kennt die Nöte. Er hat in den vergangenen Wochen um eine Aufstockung der Professorengehälter gekämpft. Doch am Ende ist er nun aus den Verhandlungen mit Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) als Verlierer hervorgegangen. Die Staatsregierung ist lediglich bereit, von 2011 an W2-Professoren auf ihr Grundgehalt von zurzeit 4200 Euro 200 Euro drauf zu legen, W3-Professoren, Lehrstuhlinhaber, erhalten sogar nur 150 Euro mehr, also künftig 5250 Euro.

"Das ist skandalös", sagt der Sprecher der bayerischen Uni-Rektoren und Chef der Erlanger Einrichtung, Karl-Dieter Grüske. Ähnlich drückt sich sein Kollege von den Fachhochschulen aus: "Das ist wohl eher als eine kosmetische Maßnahme zu verstehen", kommentiert der Nürnberger FH-Präsident Michael Braun die Entscheidung. "Damit können wir sicherlich nicht Leistungsträger aus der Wirtschaft gewinnen."

Absagen gehören zum Tagesgeschäft

Gerade an den 17 Fachhochschulen, wo der Studentenandrang besonders groß ist, gehören die Absagen von bereits berufenen Professoren wegen schlechter Gehaltsaussichten längst zum Tagesgeschäft. Denn anders als an den Universitäten gibt es an den FHs nicht die W3-Kategorie der Lehrstuhlinhaber. Die Einrichtungen können nur W2-Stellen vergeben. Zwar dürfen auch sie Leistungszulagen verteilen, doch fallen diese kaum ins Gewicht, denn es gibt dafür nicht viel Geld.

Die niedrigen Gehälter sind mit der Dienstrechtsreform 2002 eingeführt worden. Damals war das noch Bundesrecht und Berlin stellte die Entlohnung auf ein Grundgehalt und Leistungszulagen um. Mehr Geld gab es aber deshalb nicht; denn die Reform sollte, so war es der Wunsch ärmerer Bundesländer, kostenneutral sein.

Vom Freistaat mehr erwartet

Gerade Bayern kritisierte dieses System und zog dagegen sogar vor das Bundesverfassungsgericht mit der Folge, dass heute das Dienstrecht Ländersache ist. Bayern könnte nun endlich marktgerechter seine Professoren entlohnen, meinen die Hochschulen. Sie hatten sich vom Freistaat mehr erwartet.