Online-MBA:Maßgeschneidertes Manager-Studium

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Online-MBA: Internationale Teamarbeit per Videokonferenz: Der Online-MBA eignet sich als akademische Weiterbildung auch für Menschen, denen ein längerer Aufenthalt etwa in Deutschland, Frankreich oder in den USA zu kostspielig und zeitaufwendig ist.

Internationale Teamarbeit per Videokonferenz: Der Online-MBA eignet sich als akademische Weiterbildung auch für Menschen, denen ein längerer Aufenthalt etwa in Deutschland, Frankreich oder in den USA zu kostspielig und zeitaufwendig ist.

(Foto: Uwe Umstätter/Imago/Westend 61)

Online-MBAs werden immer beliebter. An vielen Business Schools kann man zwischen Präsenz und komplett digitalen Modellen wählen. Die Entscheidung hat auch finanzielle Auswirkungen.

Von Benjamin Haerdle

Die bereits zwei Jahre andauernde Pandemie hat die Welt der Hochschulen und damit auch die der Business Schools ziemlich durcheinandergewirbelt. Auf dem Campus trafen sich früher im Rahmen der MBA-Programme Teilnehmer aus vielen Ländern der Welt in Kursen, Lerngruppen und zu Teamarbeiten. Inzwischen prägt die Business-Schulen ein Mix aus Präsenz-, Hybrid- und Onlineunterricht - je nachdem, welche Maßnahmen und Regelungen in der gesellschaftlichen Situation gerade geboten zu sein scheinen. Die Business Schools reagierten jedenfalls schnell auf die Corona-Krise, indem sie Lehrpläne änderten oder die technischen Voraussetzungen schufen, damit die Teilnehmer für die hohen Studiengebühren auch adäquate Gegenleistungen bekamen und bekommen.

Die Pandemie hat aber auch die Diskussion angeheizt, wie viel Online-Unterricht es denn künftig geben darf in den MBA-Programmen. In den USA zeigte sich bereits vor Beginn der Covid-19-Krise, dass das Interesse an reinen Online-MBA-Programmen grundsätzlich zunimmt. Zogen zum Beispiel laut dem "Mba.com Prospective Students Survey Report" unter Teilzeitstudierenden im Jahr 2015 noch 32 Prozent einen Online-MBA in Betracht, waren es 2019 bereits 42 Prozent - eine Tendenz, die weiter zugenommen haben dürfte, zumal mittlerweile im beruflichen Alltag wie im Privatleben Online-Meetings an der Tagesordnung sind. Außerhalb der Arbeitszeit besucht man digital Theateraufführungen sowie Konzerte und trifft sich online sogar mit Freunden zum Abendessen oder besucht virtuell gemeinsam die Bar im eigenen Wohnzimmer. In der Online-Lehre wie im familiären Bereich sind digitale Zusammenkünfte für viele Menschen also bereits Routine.

Reine Online-Angebote sind meist preisgünstiger als Präsenz-Programme

Die Business Schools haben zudem erkannt, dass sie durch Online-Angebote neue Zielgruppen in jenen Staaten ansprechen können, die sich für einen ein- oder zweijährigen Aufenthalt für MBA-Programme in den USA, Großbritannien oder Deutschland interessieren würden, sich aber die Studiengebühren oder das Leben am Studienort finanziell nicht leisten können. Hinzu kommt, dass die Managerschulen Online-MBAs vergleichsweise kostengünstig anbieten können, weil für die rein digitale Lehre weniger Ausgaben anfallen als für Präsenzveranstaltungen. Letztere sind in der Regel mit einem größeren organisatorischen Aufwand verbunden.

In den USA haben Business Schools, die in der Akkreditierungsorganisation Association to Advance Collegiate Schools of Business (AACSB) vertreten sind, bereits zu 35 Prozent eine Online-Option für ein MBA-Programm. Vor fünf Jahren waren es noch 20 Prozent. Ein Trend in Richtung digitale Lehre, der sich zum Beispiel auch im Hochschulranking des auf die Analyse von Hochschuleinrichtungen spezialisierten Unternehmens QS Quacquarelli Symonds abbildet: Im Jahr 2020 bezog das Ranking erst 47 Online-Programme mit ein, ein Jahr später waren es bereits 57. Ganz vorne rangieren im Ranking 2021 drei Hochschulen aus Europa: Die IE Business School (Spanien) sowie zwei Anbieter aus Großbritannien - die Imperial College Business School und die Warwick Business School.

Flexibilität bei der Zeitplanung ist vielen Teilnehmern sehr wichtig

In Deutschland hat die European School of Management and Technology Berlin (ESMT) seit dem vergangenen Jahr einen neuen globalen Online-MBA im Angebot. Studierende können die Kurse nach ihren eigenen zeitlichen Möglichkeiten studieren, bis zu fünf Jahre haben sie maximal Zeit. "Vergleicht man die erfolgreichen Online-MBA-Programme in den USA mit denen in Europa, stellt man fest, dass die US-Programme viel mehr Flexibilität zulassen", erläutert Nick Barniville, Associate Dean of Degree Programs der ESMT, den Hintergrund. Man wolle dem etwas entgegensetzen. Die Studierenden könnten die einzelnen Module und Zusatzpakete nach Belieben buchen und zu einem Programm nach eigenem Geschmack zusammenstellen. Die Studiengebühren für den Online-MBA betragen 26 500 Euro. Der auf 15 Monate angelegte Vollzeit-MBA an der ESMT kostet dagegen 48 500 Euro. Die ersten 47 Teilnehmer mit 27 verschiedenen Nationalitäten nahmen im vorigen September ihr Online-Studium auf. Bereits ein Jahr davor hatte die WHU - Otto Beisheim School of Management einen MBA eingeführt, den man mittels digitaler Lehr- und Lernmethoden erwerben kann. Dieser "Global Online MBA" kann innerhalb eines Zeitraum von bis zu drei Jahren flexibel studiert werden; das Studium kostet 35 000 Euro.

Einmal mehr zeigt sich hier, wie wichtig es den Teilnehmern ist, Ort und Zeit für die Weiterbildung zur Managerin oder zum Manager möglichst frei wählen zu können. Denn viele legen Wert darauf, sich währenddessen in ihrem Beruf zu engagieren und das frisch erworbene Wissen gleich in der Praxis anzuwenden.

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