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Korruptionsverdacht:Unis fürchten Imageschaden

Doktortitel gegen Bares: Der Skandal um die möglicherweise gekauften Promotionen rückt die Wissenschaft ins Zwielicht. Die Universitäten fürchten um ihren guten Ruf.

Ein Doktortitel vor dem Namen signalisiert Bildung, Elite und ein gutes Einkommen - doch wer sich die begehrten zwei Buchstaben vor den Namen stellen will, muss in der Regel mehrere Jahre hart dafür arbeiten.

Auf dunklen Wegen zum Titel: Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen rund 100 Professoren, die ungeeignete Kandidaten gegen Geld als Doktoranden übernommen haben sollen.

(Foto: Foto: ddp)

Nicht so die Doktoranden der rund 100 Professoren, gegen die derzeit wegen Korruption ermittelt wird: Sie sollen ungeeignete Kandidaten gegen Geld betreut haben. Der Skandal um die möglicherweise gekauften Titel hat Sorgen um einen Imageverlust für die Wissenschaft ausgelöst. "Wir begrüßen die Ermittlungen. Wir wollen auch nicht ansatzweise dulden, dass sich der Ruf breitmacht, an deutschen Hochschulen würden Titel gekauft", betonte der Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV) Bernhard Kempen am Montag in Köln.

Bereits am Sonntag hatte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) einen großen Schaden für die Wissenschaft prognostiziert, falls sich der Verdacht der Kölner Ermittler bestätigen sollte. Der ehemalige Rektor der Uni Leipzig, Cornelius Weiss, beklagte am Montag im MDR eine wachsende Kommerzialisierung der Bildung und warnte vor einem Imageverlust.

Bis zu 20.000 Euro pro Kandidat

Am Wochenende hatte die Kölner Staatsanwaltschaft bestätigt, sie ermittle gegen bundesweit rund 100 Professoren, die ungeeignete Kandidaten gegen Geld als Doktoranden übernommen haben sollen. Das "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach bei Köln hatte dem Verdacht zufolge bis zu 20.000 Euro pro Kandidat erhalten für die Vermittlung an einen "Doktorvater" und Hilfe bei der Themenfindung.

Oberstaatsanwalt Günther Feld erklärte am Montag, bei den Verdächtigen handele es sich vor allem um Privatdozenten oder "außerplanmäßige Professoren", nicht um Lehrstuhl-Inhaber. Die Annahme eines Doktoranden und seine Betreuung bis zur Dissertation müsse zwingend unentgeltlich erfolgen, betonte Feld.

Der Hochschulverband erklärte, er habe die Staatsanwaltschaften immer wieder auf dubiose Anzeigen von Promotionsberatern hingewiesen. Nur in Einzelfällen sei es aber zu Untersuchungen gekommen. Es sei im Interesse von Hochschulen und Wissenschaft, wenn nun erstmals in Deutschland in diesem großen Umfang mögliche illegale Geschäfte mit Promotions-Vermittlungen unter die Lupe genommen würden, betonte DHV- Präsident Kempen.

Doktoranden nicht im Visier

Auch gegen den bereits rechtskräftig verurteilten Geschäftsführer des Bergisch Gladbacher Instituts werde nun wieder neu ermittelt, erklärte Oberstaatsanwalt Feld. Der Manager war nach einer Razzia in den Geschäftsräumen im März 2008 wegen Bestechung zu dreieinhalb Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden. In 61 Fällen hatte er dem Urteil des Landgerichts Hildesheim zufolge Promotionswillige an einen Jura-Professor der Uni Hannover vermittelt. Auch der Professor erhielt eine Freiheitsstrafe.

Ob gegen den zweiten Geschäftsführer des Instituts, das inzwischen Insolvenz angemeldet hat, ebenfalls Untersuchen eingeleitet wurden, konnte Feld zunächst nicht sagen. Doktoranden seien nicht im Visier der Behörde. "Sie wussten in weit überwiegender Zahl nicht, dass die Profossoren ihre Betreuung nur gegen Geld übernahmen, es war also kein Vorsatz gegeben." Zu den beschuldigten Professoren oder den Hochschulen, an denen sie tätig sind, machte er keine Angaben.

Das Magazin Focus hatte etwa Bayreuth, Berlin, Bielefeld, Frankfurt, Hagen, Hamburg, Hannover, Ingolstadt, Jena, Köln, Leipzig, Rostock und Tübingen genannt. In Deutschland werden jedes Jahr 25.000 Promotionen vorgelegt, sagte Kempen. Schätzungen darüber, wie viele Doktorgrade illegal zustande gekommen sein könnten - zwei Prozent oder auch ein bis fünf Prozent wurden in Medienberichten genannt - seien Spekulation: "Ich hoffe, dass es im Promille-Bereich liegt."

© dpa/bön

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