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Karrierechancen:Kompetenzen schlagen künftig Abschlusszeugnis

Die geringste Beschäftigungsquote bestand bei Absolventen, die geistes- oder sozialwissenschaftliche Fächer, Künste, Journalismus oder Informationswesen studiert hatten, nämlich 84 Prozent. Die OECD fordert mit Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen seit Jahren einen höheren Anteil an Akademikern und sieht sich hier bestätigt: "Selbst die Beschäftigungsquote der Geistes- und Sozialwissenschaftler liegt über der Beschäftigungsquote der Gesamtheit der beruflich Gebildeten", sagt OECD-Sprecher Matthias Rumpf.

Den Anteil der Akademiker zu steigern, war in den vergangen Jahren eines der wichtigsten Ziele der Bildungspolitik. Inzwischen nimmt mehr als jeder Zweite in Deutschland ein Studium auf. Wenn fast jeder studiert hat, wird es künftig neue Entscheidungskriterien für die Einstellung geben, gibt Kerstin Schneider zu bedenken: "Es wird um Kompetenzen gehen, nicht (nur) um Abschlüsse."

Dass es darum geht, was man kann und weniger, wo man es gelernt hat, darauf deutet auch der OECD-Bericht hin. Mit Blick auf die begehrten Kompetenzen in Informatik und Kommunikationstechnologien heißt es darin, dass diese auch außerhalb des formalen Bildungssystems erworben werden könnten.

Mit der Fächerwahl der deutschen Studenten ist die OECD sehr zufrieden: Die beliebteste Fächergruppe sind die sogenannten MINT-Fächer, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. 37 Prozent der Hochschulabsolventen 2015 erhielten ein Abschlusszeugnis in einem Studiengang mit dieser Richtung. Das entspricht dem höchsten Anteil in allen OECD- und Partnerländern, hauptsächlich hochentwickelte Staaten und Schwellenländer.

Im OECD-Durchschnitt schließen 24 Prozent der akademisch Gebildeten ein sogenanntes MINT-Fach ab. In den anderen Mitgliedstaaten wird häufiger Wirtschaft, Verwaltung und Recht studiert. Das spiegele die starke technologische Ausrichtung Deutschlands wider, heißt es in "Bildung auf einen Blick". Kritisch ist im Bericht jedoch das Geschlechterverhältnis in MINT-Studiengängen an deutschen Hochschulen vermerkt: Nur 28 Prozent der Studienanfänger sind Frauen.

Welcher Bildungsweg zahlt sich am meisten aus?

Wer mehr in Bildung investiert, bekommt auch mehr zurück, lautet die vereinfachte Gleichung. Gegenbeispiele gibt es, aber sie sind in Deutschland verhältnismäßig selten: "Um in Deutschland ein hohes Einkommen nur mit beruflicher Bildung zu erreichen, braucht man sehr viel Glück", sagt Matthias Rumpf. Rein finanziell sei man mit einem Studium auf der sichereren Seite.

Kerstin Schneider führt hingegen an: Nicht jeder Abiturient sei für das Studium geeignet. Eine eher unpopuläre Aussage, die nicht ins Konzept der auch politisch getriebenen Akademisierung passt. Umso schwerer wiegt Schneiders Vorwurf, die Schulen bereiteten die Schüler nicht ausreichend auf ein Studium vor. "Ein abgebrochenes Studium macht vermutlich nicht glücklich", sagt die Ökonomin mit Blick auf diejenigen, die auf dem nur vermeintlich für alle sichersten Weg scheitern. Insbesondere, wenn ein Studium für eine angestrebte Position nicht unbedingt erforderlich sei, könne eine Berufsausbildung ein deutlich gelungenerer Start in das Berufsleben sein.

Auch wenn Rumpf die Berufsausbildung eher als zweitbesten Weg beschreibt, sieht er vor allem im internationalen Vergleich Vorteile. "Das berufliche System verschafft schnell einen Arbeitsplatz und trägt zur geringen Jugendarbeitslosigkeit bei", sagt er. Nur knapp elf Prozent der 20- bis 24-Jährigen in Deutschland sind weder beschäftigt noch in Ausbildung - einer der niedrigsten Anteile aller OECD-Länder. Wenngleich darüber Einigkeit herrschen sollte, dass es immer noch zu viele sind, die damit von Armut und Arbeitslosigkeit bedroht sind.

© SZ.de/afp/mkoh/sks

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