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Karriere international:Keinen Anlass zu Diskriminierung bieten

Das Resümee sollte maximal eine Seite lang sein. "Wer in den letzten zwei, drei Jahren Karrieresprünge gemacht hat, kann sich darauf beschränken", sagt Ingmar Eschli. Ein Arbeitnehmer, der seit mehreren Jahren auf einer Position ist, nennt am besten nur die letzten zwei Stationen.

Hobbys und ehrenamtliches Engagement werden erwähnt, wenn sie zur Stelle passen: "Der passionierte Läufer sollte seine privaten Interessen bei der Nike-Bewerbung betonen, der Flüchtlingshelfer bei der Nichtregierungsorganisation, nicht andersrum", sagt Eschli.

Foto, Herkunft und Familie sind tabu

Religion, Alter, Herkunft, Geschlecht, Familienstand, Kinder, Gesundheit und Foto sind in der Bewerbung verpönt. "Unternehmen haben große Angst vor Schadensersatzklagen", sagt Mirco Schlottke. Denn die amerikanischen Antidiskriminierungsgesetze fordern deutlich härtere Strafen als die deutschen. Unterlagen, die persönliche Merkmale enthalten, würden deshalb oft sofort aussortiert. Auf Unterschrift und Datum wird verzichtet.

Vor allem in Großunternehmen müssen Bewerber zunehmend standardisierte Verfahren durchlaufen, das heißt Formulare ausfüllen und Dokumente hochladen. Trotzdem wird viel Wert auf die persönliche Ebene gelegt. "Man sollte unbedingt herausfinden, wer der Ansprechpartner ist und ihn im Anschreiben direkt anreden", sagt Schlottke. Den Namen finde man meist auf der Firmenhomepage.

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Persönlich werden

Noch besser sind persönliche Beziehungen. Ein Tipp vom Experten: "Auf LinkedIn kann man Mitarbeiter suchen", sagt Schlottke. Bestenfalls findet man einen Personaler, den man mit seinem Anliegen konfrontieren kann. Andere Mitarbeiter könne man nach dem gesuchten Kollegen fragen.

Auf Kontakte zu Mitarbeitern - ob virtuell oder persönlich - sollte man in der Bewerbung unbedingt hinweisen, bei größeren Unternehmen zwecks Zuordnung mit deren Funktion: "Auch wenn der Personaler den Mitarbeiter aus der Fachabteilung nicht kennt, will er mitunter keinen wichtigen Bewerber ausschließen, zu dem ein Kollege bereits einen Kontakt aufgebaut hat", sagt Ingmar Eschli.

Stößt die Bewerbung auf Interesse, hängt eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, Videointerview oder Assessment-Center möglicherweise auch von Menschen ab, die den bisherigen Karriereweg des Kandidaten begleitet haben. Mindestens zwei Referenzen sollten mit E-Mail und Telefonnummer genannt werden. Das können Arbeitgeber, Professoren oder der Doktorvater sein. Damit diese nicht überrascht sind und gut reagieren können, wenn das Unternehmen anruft, sollten sie vorher über die Bewerbung und die angestrebte Stelle informiert werden, rät Karrierecoach Schlottke.

Dranbleiben

Nachdem die Unterlagen abgeschickt sind, sollten Bewerber nicht lange auf Rückmeldung warten. "Nach drei bis fünf Tagen kann man anrufen und fragen, ob alles eingegangen ist und weitere Unterlagen benötigt werden", schildert Eschli seine Erfahrung. Während die rasche Nachfrage in Deutschland als aufdringlich empfunden würde, legten Amerikaner sie als Engagement aus.

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