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Jobwechsel:Leidenschaft, wenn Arbeit Leiden schafft

Die Deutschen sind mit ihrer Arbeit immer weniger zufrieden, nur noch jeder Neunte zeigt hohes Engagement im Job. Eine Lösung: Das Hobby zum Beruf machen. Doch wer diesen Schritt wagt, muss aufpassen.

Das Hobby macht Spaß, der Beruf aber nicht. Wenn Uta Glaubitz diesen Satz hört, holt die Berlinerin tief Luft und sagt das, was sie seit 15 Jahren schon sagt: "Quatsch."

Matthias Nürnberger, Senore Matze Rossi

Erst Sozialpädagoge, dann Sänger: Matthias Nürnberger wurde zu Senore Matze Rossi.

(Foto: privat)

Glaubitz ist Berufsberaterin. Vor zwei Jahren hat sie das Buch geschrieben "Der Job, der zu mir passt". Wer in ihre Beratung kommt, geht nur noch mit Magenschmerzen zur Arbeit. "Viele Menschen glauben, was Spaß macht, muss Hobby bleiben", sagt die Expertin. Ein großer Irrtum.

Mit dem Glück auf der Arbeit ist es in Deutschland nicht weit her. "Seit Mitte der achtziger Jahre ist die Arbeitszufriedenheit stark zurückgegangen", sagt Karl-Heinz Ruckriegel, Volkswirt und Glücksforscher an der Hochschule Nürnberg.

2010 fand das Meinungsforschungsinstitut Gallup in Berlin heraus, dass nur noch jeder neunte Arbeitnehmer ein hohes Engagement zeigt. Die Zahl derjenigen, die überhaupt keine Lust mehr haben, stieg innerhalb von zehn Jahren von 15 auf 21 Prozent.

Als Matthias Nürnberger aus Schweinfurt sein Hobby zum Beruf machen will, ist die Unzufriedenheit längst Teil seines Alltags. Das Studium vorbei, das Anerkennungsjahr als Sozialpädagoge gerade geschafft - und doch ist er mit 30 Jahren seines Berufes überdrüssig.

Am Anfang stehen Fragen

Während er tagein, tagaus soziale Härtefälle betreut und Berichte darüber schreibt, denkt er immer öfter an sein Hobby: Musik. In seiner ersten Band spielte Nürnberger mit elf Jahren. "Nur den Mut, damit auch meinen Lebensunterhalt zu verdienen, den hatte ich nie", sagt der heute 34Jährige.

Der Sänger und Songwriter wagt es 2007 schließlich doch - und spielt gleich 115 Shows, deutschlandweit. Ein Jahr später ist der Musiker mit dem Künstlernamen Senore Matze Rossi schon für 155 Auftritte gebucht. Er singt in Clubs von Hamburg bis München. Dass der Mann mit der Gitarre Sozialpädagoge ist, wissen im Publikum die wenigsten.

Nicht immer verläuft der Umstieg vom verhassten Beruf zum geliebten Hobby so geradlinig wie bei Nürnberger. "Wer in seinem Beruf unzufrieden ist, denkt nicht sofort an das Hobby", sagt Berufsberaterin Glaubitz. Die meisten kämen lediglich mit dem Wunsch, etwas anderes zu machen.

Gewöhnlich stellt Glaubitz erst einmal viele Fragen: Was wollten Sie früher werden? Was ist Ihnen wichtig im Leben? Und: Was machen Sie an einem freien Wochenende? "Die meisten Menschen haben keine Ahnung, was sie wollen."

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