Universität Ansbach Guttenberg: Als Abschreckung unerwünscht

Die Doktorarbeit des Ex-Ministers als abschreckendes Beispiel für Studenten: An der Universität Ansbach sollte eine "Guttenberg-Ecke" vor Fehlern warnen. Doch die Uni-Leitung hatte etwas dagegen.

Abschreckung unerwünscht: Eine Schautafel mit Beispielen aus der abgekupferten Doktorarbeit von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat für Unruhe an der Hochschule in Ansbach gesorgt. Nachdem die Nürnberger Nachrichten in ihrer Donnerstagausgabe eine große Geschichte über das Projekt veröffentlicht hatten, verpasste Hochschulpräsident Gerhard Mammen seinen Mitarbeitern kurzerhand einen Maulkorb: Sie dürften Presseanfragen hierzu nicht beantworten, erklärt eine Mitarbeiterin der Bibliothek. Die "Guttenberg-Ecke" in der Bücherei wurde noch am Vormittag abgebaut.

Zwei Mitarbeiterinnen der Hochschule Ansbach stehen an einer Schautafel mit Beispielen aus der umstrittenen Doktorarbeit des ehemaligen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg.

(Foto: dapd)

Die Idee zu der Anschauungstafel hatten Mitarbeiter der Hochschul-Bibliothek. Anhand von Beispielen aus der Doktorarbeit des Ex-Ministers und CSU-Politikers wollten sie die Studenten darauf hinweisen, welche Fehler sie machen könnten und worauf sie bei ihren eigenen Arbeiten zu achten haben. "Das war als Abschreckungsbeispiel gedacht", erzählt die Bibliotheksmitarbeiterin. Angesichts der hohen Bekanntheit Guttenbergs habe es sich angeboten, seine Arbeit hierfür zu verwenden. "Das war ein guter Aufhänger", sagt die junge Frau. Die Bücherei habe die "Guttenberg-Ecke" im Übrigen schon eingerichtet, als die ersten Plagiatsvorwürfe aufgekommen seien.

Ein Umstand, der Hochschulpräsident Mammen, selbst jahrelanges CSU-Mitglied, offensichtlich sauer aufstößt. Am Telefon beschwert er sich über die "Nebenwirkungen" einer Berichterstattung zu diesem Thema und rät von einem Besuch der Bibliothek dringend ab. Überhaupt gebe es in Ansbach nicht einmal eine juristische Fakultät. Seiner Meinung nach ist das Thema zu Guttenberg ohnehin längst durch, der Ex-Minister doch nur eine Randfigur. Die Infoecke ließ er noch am Vormittag abbauen.

"Das ist schade, ich hätte das schon gerne gesehen", sagt die 23-jährige Kommunikationsstudentin Melanie. Dass so eine Tafel in der Bibliothek ihrer Hochschule aufgestellt worden sei, hätten sie und ihre Freunde gar nicht mitbekommen. "Ich war zwar in der Bibliothek, aber ich hab nichts gesehen. Das hat keiner öffentlich gemacht", bedauert sie. Da noch bis nächste Woche Semesterferien sind, ist die 23-Jährige wie viele andere Kommilitonen derzeit gar nicht vor Ort. Die "Guttenberg-Ecke" wird sie jetzt höchstens aus der Zeitung kennenlernen.

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