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Gleichberechtige Arbeitswelt:Der neue starke Mann

Wer Gleichberechtigung will, muss das Arbeitsleben verändern: Jemand der 80 Stunden in der Woche arbeitet, ist kein Gewinnertyp. Statt Selbstausbeutung zu verherrlichen, sollten Männer sich lieber neue Vorbilder suchen - und über eine Männerquote beim Kinderarzt nachdenken.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Dieser Satz mag heute nicht mehr ganz so gültig sein wie früher, er hat aber dennoch einen wahren Kern: Knapp und anschaulich beschreibt er, dass die Geschlechterrollen in der Gesellschaft untrennbar voneinander abhängen. Dies wird in der Debatte um die Frauenquote, die derzeit wieder von der EU angeheizt wird, leider nur allzu gern übersehen.

Messe Kind & Jugend

Mehr Zeit für die Familie, weniger Druck im Büro: Wer eine gleichberechtigte Arbeitswelt will, muss bereit sein, etwas zu ändern.

(Foto: dpa)

Doch wenn die Frau, dem Ideal der Gleichberechtigung folgend, nun nicht mehr hinter ihrem Gatten steht, sondern neben ihn tritt, dann ändert sich dabei eben nicht nur ihre Rolle - sondern zwangsläufig auch seine. Um im Bild zu bleiben: Er muss lernen, für sich selbst zu stehen, ohne dass ihm jemand den Rücken freihält. Dieser Wandel, der zu den größten Umbrüchen unserer Zeit gehört, wird nicht nur den Mann verändern, sondern auch die Arbeitswelt, die er so lange dominiert hat.

Die Debatte um die Frauenquote schärft das Bewusstsein für diese Fragen. Die Quote selbst wird das Problem allerdings nicht lösen. Sie ist auf dem Weg zur Gleichberechtigung bestenfalls eine Krücke. Wie gleichberechtigt eine Gesellschaft ist, lässt sich eben nicht einfach an der Zahl der Managerinnen in Spitzenpositionen messen. Denn in den Karrieren der allermeisten Frauen geht es nicht um Vorstands- und Aufsichtsratsposten. Viel wichtiger sind für sie jene Entscheidungen, die täglich in der Familie am Küchentisch getroffen werden. Wer sagt die Dienstreise ab, wenn das Kind krank ist? Wer macht Abendessen statt Sonderschichten? Wer liest das Gute-Nacht-Buch vor und lässt dafür sein After-Work-Bier stehen?

In den meisten Familien lautet die Antwort auf alle drei Fragen überwiegend: die Mama. Das muss sich ändern. Viel bessere Gradmesser für Gleichberechtigung als die Frauenquote in einer winzigen Elite wären die Männerquoten beim Elternabend, auf dem Spielplatz und im Wartezimmer des Kinderarztes.

Viele Männer haben das begriffen und versuchen bereits, ihrer neuen Rolle gerecht zu werden. Leider werden sie es dabei so lange schwer haben, wie in der Gesellschaft und insbesondere im Berufsleben ein veraltetes Rollenbild vorherrscht. Man muss sich nur einmal Interviews und Managerporträts in der Wirtschaftspresse durchlesen oder Feierabendgesprächen erfolgreicher Akademiker lauschen.

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