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Gehaltsentwicklung:Womit Arbeitnehmer 2012 rechnen können

Wie entwickeln sich Löhne und Gehälter 2012? Welche Berufsgruppen haben die Nase vorn - und welche müssen sich eher bescheiden? Tim Böger von der Vergütungsberatung Personalmarkt sagt, wer sich im kommenden Jahr über ein deutliches Gehaltsplus freuen kann.

Gibt es 2012 mehr Lohn und Gehalt? Was können Arbeiter und Angestellte im kommenden Jahr erwarten? Wessen Einkommen stagniert, wessen steigt? sueddeutsche.de befragte Tim Böger, Gründer und Geschäftsführer der Vergütungsberatung PersonalMarkt. Die Hamburger Firma hat gemeinsam mit Wirtschafts-Professor Tom Krebs von der Universität Mannheim eine Studie zur Entwicklung der Gehälter in Deutschland für das kommende Jahr vorgelegt. Diese basiert auf 1,5 Millionen Gehaltsdaten aus den letzten zwölf Jahren sowie auf mehr als 200.000 aktuellen Gehaltsdaten aus den letzten zwölf Monaten.

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Organisation zahlt sich aus: Wo Gewerkschaften großen Einfluss haben, werden sich Arbeitnehmer wohl auch 2012 über mehr Lohn und Gehalt freuen können als in Branchen mit geringem Organisationsgrad.

(Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr Böger, wie entwickeln sich die Gehälter in Deutschland 2012? Können Arbeitnehmer zuversichtlich ins neue Jahr blicken?

Tim Böger: Die Gehälter werden sich 2012 recht positiv entwickeln. Konkret bedeutet das laut unserer Studie für Führungskräfte ein Plus von 7,6 Prozent im Total Cash, also beim Grundgehalt plus der variablen Zahlungen, für Sachbearbeiter und Facharbeiter ohne Studium ein Plus von 2,5 Prozent und für Akademiker ohne Führungsverantwortung ein Plus von 1,8 Prozent.

sueddeutsche.de: Warum profitieren Angestellte in Führungspositionen mehr als andere?

Böger: Das liegt vor allem daran, dass sie nach 2009 teilweise kräftige Verluste hinnehmen mussten. Selbst jetzt werden diese noch nicht wieder ganz ausgeglichen. Anders ist das bei den unstudierten Sachbearbeitern und Facharbeitern: Auch diese mussten nach 2009 Einbußen hinnehmen, die mit dem jetzigen Anstieg allerdings mehr als ausgeglichen werden. Insgesamt steigen die Gehälter in dieser Gruppe aber zu langsam, das heißt der Anstieg gleicht, auch über die letzten Jahre gesehen, die Inflation nicht aus.

sueddeutsche.de: Und warum sind die Aussichten für die Akademiker, die keine leitende Position haben, so viel schlechter?

Böger: Bei den Akademikern fällt der Zuwachs vergleichsweise schwach aus, weil diese durch das Krisenjahr 2009 nur wenig belastet wurden. Der Zuwachs ist also gering, es gab aber auch kaum Nachholbedarf. Auch für diese Gruppe gilt, dass die Gehaltszuwächse die Inflation der letzten Jahre nicht ausgleichen.

sueddeutsche.de: Welche Auswirkungen hat der häufig beschworene Fachkräftemangel?

Böger: Das dürfte in den nächsten Jahren zunehmend relevant werden. Unternehmen, die ihre Stellen nicht mehr besetzen können, werden bereit sein, höhere Gehälter zu zahlen. Das wird auf technisch-akademische Berufe sicher zutreffen, aber auch auf Spezialisten in kaufmännischen Disziplinen wie etwa Finance, Controlling oder bei Managementaufgaben.