bedeckt München
vgwortpixel

Führungsstil im Job:Mehr Reflexion, weniger Reflexe

Oft klagen Frauen und Männer in Leitungspositionen darüber, dass ihre authentische Haltung weder von der Belegschaft gewürdigt noch von Kunden geschätzt oder Führungskollegen honoriert wird. Ihnen empfehle ich zunächst mehr Reflexion und weniger Reflexe. Denn wer mit dem grundsätzlichen Anspruch auf Selbstverwirklichung in durchschnittliche Betriebe kommt, kann nur enttäuscht werden.

Oft vergessen wir die simplen Feststellungen von Karl Marx, dass wir a) in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, und b) hier mit Arbeitskraft gehandelt wird.

Arbeit ist ein Geschäft, keine Selbsterfahrungsgruppe. Auch wenn das in manchen virtuell getriebenen Businesswirklichkeiten nicht gleich offensichtlich ist, gilt es auch dort. Und es trifft ebenso auf Führungskräfte zu: Sie verkaufen ihre Arbeitskraft. Nicht mehr und nicht weniger. Ihre Seelen verkaufen sie nicht.

Ein bewusster Umgang mit den Rollen schützt die Seele

Um aber diese Seele zu schützen, rate ich Führungskräften zu einem bewussten Umgang mit ihren Rollen. Denn im Zweifelsfall ist es den Mitarbeitern herzlich gleichgültig, was der Sohn der Oberärztin für Schulprobleme haben mag, wenn sie nur den OP-Plan professionell handhabt.

Job Das Einmaleins der Anzugträger
Ratgeber
Dresscode für Männer im Beruf

Das Einmaleins der Anzugträger

Von wegen, Männer haben es in Kleidungsfragen einfacher. Wie etwa werden Oxfordschuhe richtig gebunden? Wo endet die Krawatte? Und dürfen Hemdsärmel hochgekrempelt werden? Tipps zum stilsicheren Auftritt im Business.   Von Dorothea Grass

Der Vertriebschef erleichtert es dem Gekündigten am Ende gar nicht, wenn er seine Botschaft mit persönlicher Betroffenheit garniert. Und auch den Aufsichtsrat kümmert es nicht ernsthaft, dass die Managerin eine tiefe Liebe zur Oper hegt, wenn sie die Umstrukturierung nicht in den Griff bekommt.

Führungskräfte sollten erst einmal den Job machen, für den sie bezahlt werden. Und den machen sie selbstverständlich immer nur mit einem Ausschnitt ihrer Persönlichkeit. Sie werden auch nur für diesen Ausschnitt bezahlt. Ob sie dann immer mit dieser Selbstbeschränkung leben möchten, ist eine ganz andere Frage.

Im Ernstfall die Seele behüten

Umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: Die Führungskraft ist nämlich durchaus nicht für alles verantwortlich, was in ihrem Dunstkreis geschieht, sondern ebenfalls nur für die definierte Aufgabe. Die Bescheidung darauf kann sich als existenzieller Schutz erweisen. Denn im Ernstfall behütet die Seele von Führungskräften überhaupt niemand - außer sie selbst.

Darum bestimmen allein sie es, wann sie sich völlig zu Recht hinter ihre berufliche Rolle zurückziehen. Oder wann sie sich für tatsächlich persönliche Botschaften öffnen.

Die Rolle funktioniert wie eine Membran

Die eigene berufliche Rolle kann eine Führungskraft so oder so ausüben, und der Spielraum, der für die Eigenheiten ihrer Person bleiben, ist oft größer, als ihr anfänglich klar ist. Doch komplett abbilden wird sie ihre Person beruflich kaum können. Was oft überhaupt nicht schade ist.

Damit wird im besten Fall der reflektierte Einsatz der beruflichen Rolle zu einem wesentlichen Faktor für das innere Energiemanagement einer Führungskraft. Die Rolle kann dabei wie eine Art semipermeable Membran fungieren. Was zu welchem Zeitpunkt ans Herz gehen darf, entscheidet der Inhaber der Membran, nicht äußere Faktoren. Beim bewussten Wechsel zwischen Standbein (Rolle) und Spielbein (Authentizität) geht es letztlich um eine Authentizität im Schutz der Rolle. Die ist besser auszuhalten - und nebenbei auch produktiver für die ganze Firma.

Nächsten Samstag in der SZ: Wie definieren Personalverantwortliche den Begriff "Authentizität"? Und wie erreichen Führungskräfte Glaubwürdigkeit?