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Erfolgreich Scheitern:Hurra, ich wurde entlassen

Eine Frage der Einstellung: Wer mit beruflichen Misserfolgen richtig umgeht, für den kann selbst die Kündigung zu einer Chance werden.

Es hätte so schön sein können, war alles perfekt durchgeplant. Abitur, Studium, der erste Job - und dann auch noch gleich bei einer Unternehmensberatung. Jan Luckes Karriere verlief perfekt. Und dann das: mitten in der Wirtschaftskrise die Kündigung. Nach eineinhalb Jahren im Beruf.

Jede Krise kann eine Chance sein - wenn man sie nutzt.

(Foto: Foto: iStock)

Seine gesamte Lebensplanung wird plötzlich über den Haufen geworfen, er fühlt sich wie ein Fisch, der aufs Trockene geworfen wurde. Jan Lucke kämpft mit dem Gefühl, gescheitert zu sein. Der erste große Misserfolg in seinem Leben - mochte er noch so betriebsbedingt sein - stellt alles in Frage. Wohin jetzt?

An einen solchen Scheidepunkt gelangen in Zeiten der Wirtschaftskrise viele Arbeitnehmer. Sparmaßnahmen in Unternehmen ziehen Kündigungen nach sich und Freiberuflern brechen die Aufträge weg. Das große Stigma, von dem noch vor der Wirtschaftskrise jedes berufliche Scheitern behaftet war, ist mittlerweile einer breiten Akzeptanz gewichen. Scheitern ist salonfähig geworden.

Der gesellschaftliche Druck hat damit abgenommen, aber noch immer kämpfen die Betroffenen in ihrer Krise mit sich selbst ebenso wie mit den Erwartungen ihres unmittelbaren Umfelds. Ein Kampf, aus dem sie am Ende gestärkt hervorgehen können. Denn hinter jedem Misserfolg versteckt sich eine Chance - wenn man typische Fehler vermeidet. Weder der Rückzug in ein Schneckenhaus noch blinder Aktionismus helfen weiter.

"Viele Betroffene fallen sofort nach ihrem Jobverlust in eine hektische Betriebsamkeit, schreiben wahllos Bewerbungen. Sie geben sich keine Zeit für eine gewisse Trauerphase, die einfach nötig ist", sagt der Nürnberger Psychologe und Karrierecoach Markus Väth. Erst einmal sacken lassen, tief durchatmen und das Geschehene verarbeiten. "Wer das nicht tut, den holt die Frustration irgendwann ein", sagt er.

Diesen Prozess der Selbstreflektion hält auch Susanne Rausch, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung, für essentiell. Auch wenn er manchmal schmerzt. Bevor sich die Betroffenen in etwas Neues stürzen, sollten sie erkennen, was bislang eigentlich schiefgelaufen ist. Bei der Suche nach Fehlern ist absolute Ehrlichkeit mit sich selbst unabdingbar. Manchmal hilft es auch, den Vorgesetzten im Abschlussgespräch direkt nach Verbesserungsvorschlägen zu fragen.

So wichtig Selbstkritik ist, um nach einem Misserfolg wieder aufzustehen und weiterzumachen - zuviel Selbstgeißelung sollte man vermeiden. "Man darf sich nicht allzusehr auf die eigenen Fehler konzentrieren und sich dem eigenen Unglück hingeben. Anstatt in Antriebslosigkeit zu verfallen, sollte man konstruktiv eine positive Zukunftsvision entwickeln", betont Karriereberaterin Rausch. "Oft hat der Verlust des Arbeitsplatzes überhaupt nichts mit persönlichem Scheitern zu tun."

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