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Dresscode für Männer im Beruf:Das Einmaleins der Anzugträger

Modenschau für Herrenmode in Berlin, 2002

Vorneweg: Knallfarben haben es noch immer nicht bis in die Vorstandsetagen geschafft.

(Foto: dpa)

Von wegen, Männer haben es in Kleidungsfragen einfacher. Wie etwa werden Oxfordschuhe richtig gebunden? Wo endet die Krawatte? Und dürfen Hemdsärmel hochgekrempelt werden? Tipps zum stilsicheren Auftritt im Business.

Männer zwischen Mode, Dresscodes und Selbstverwirklichung haben es bei der Kleiderwahl für den Geschäftsalltag mindestens so schwer wie Frauen. Damit sich der morgendliche Griff in den Kleiderschrank trotzdem als glücklich erweist, lautet das Credo von Andreas Rose, Modeberater aus Frankfurt: "keine modischen Experimente!" Worauf es zu achten gilt - eine Anleitung in mehreren Schritten.

Die Grundlage: Wer im Berufsalltag für seine Glaubwürdigkeit und Kompetenz geschätzt werden will, sollte das auch durch seine Kleiderwahl vermitteln. Der Stilberater Rose rät daher zu hochwertigen Materialien, guten Schnitten, einer optimalen Passform und einer begrenzten Farbpalette. Praktisch ist, wenn sich die Kleidungsstücke miteinander kombinieren lassen.

Farben und Muster: Die erwartbare Antwort vorneweg: Knallfarben haben es noch immer nicht in die Führungsetagen geschafft. In punkto Seriosität sind gedeckte Farben wie schwarz, dunkelblau, braun und grau die richtige Wahl. Als klassische Businessfarben sind sie ideal für Anzüge. Die persönliche Note bekomme das Outfit laut Rose mit dem Hemd, der Krawatte und eventuell dem passenden Einstecktuch.

Der Anzug: Mindestens drei Anzüge in verschiedenen Farben sollte ein Geschäftsmann besitzen, so Andreas Rose: "Einen schwarzen, einen grauen, einen blauen oder braunen." Tipp: Zu jedem Sakko zwei passende Hosen kaufen - so lassen sich Geschäftsreisen knitterfrei bewältigen.

Das Sakko: Stilberater Rose rät kleineren Männern dazu, einreihige Sakkos (eine Knopfleiste) zu tragen, weil sie die Länge des Oberkörpers betonen. Zweireiher hingegen ließen die Statur eher gedrungen erscheinen und seien eher für große Männer geeignet.

Richtig knöpfen: "Beim Zweiknopfsakko wird der obere, beim Dreiknopfsakko werden der mittlere oder die oberen beiden Knöpfe geschlossen", so der Frankfurter Experte. Bei einem Doppelreiher mit drei Knopfpaaren würden die mittlere Knopfreihe oder alle geschlossen. Zusätzlich gelte die Grundregel: Bei der Begrüßung bleibt das Sakko geschlossen. Stilsicher ist, wer erst beim Setzen die Knöpfe öffnet - und darüber hinaus weiß, dass dicke Goldknöpfe mit Meeresmotiven ausschließlich etwas für Kapitäne sind.

Die Hose: Eine gerade geschnittene Anzughose hat die richtige Länge, wenn sie auf dem Fußrücken leicht aufschlägt und den Schuhabsatz nicht berührt. Ist die Hose zu lang und schlägt Falten, spricht Andreas Rose von einem unschönen "Ziehharmonika-Effekt". Die Stelle zwischen Hosenende und Schuh sollte übrigens kein nacktes Bein entblößen. Besser noch als Socken seien daher Kniestrümpfe geeignet, so Rose - und zwar in der Farbe der Hose.

Das Hemd: Der Kragen sollte etwa einen Zentimeter über den Sakkokragen reichen, die Ärmel etwa zwei Zentimeter unter dem Sakkoärmel herausschauen - dann sitzt es Stilcoach Rose zufolge genau richtig. Schiebt sich die Manschette an der Hand beim Armbeugen nach hinten, ist das Hemd zu weit.

Die Krawatte: Beliebtes Faux-Pas-Utensil. Den Lieblingsbinder mit Tier- und Comicmotiven sollte zu Hause lassen, wer seiner Glaubwürdigkeit keinen irreparablen Schaden zufügen möchte. Krawatten mit Firmenlogo gehen Rose zufolge nur auf Messen in Ordnung. Eine Krawatte hat die richtige Länge, wenn ihre Spitze da endet, wo die Gürtelschnalle anfängt.

Der richtige Krawattenknoten: Erfahrene Businessanzugträger können mehrere Knoten binden und wissen: Der Knoten muss zum Kragen passen. "Der Binder muss eng am Hemdkragen anliegen", erklärt Andreas Rose. Zum weit gespreizten Haifischkragen passe am besten der doppelte oder große Windsorknoten, weil er symmetrisch und voluminös daherkomme. Er sei darüber hinaus der Knoten für "wahre Gentlemen" und besonders edel. Fällt der Hemdkragen kleiner aus, böte sich der halbe oder kleine Windsorknoten an. Da er eine Wicklung weniger hat, ist sein Umfang geringer - und somit für unterschiedliche Krägen flexibel einzusetzen. Eine Alternative für eng geschnittene Krägen und einfach zu erlernen ist der Four-in-hand-Knoten. Dabei auf einen dickeren Krawattenstoff achten, sonst fällt der Knoten zu klein aus.

Schuhe: "Der passende Schuh unterstreicht das Outfit, stiehlt ihm aber nie die Show", sagt Andreas Rose. Mit einem rahmengenähten Oxfordschuh aus feinem Boxkalbleder kann der Träger eines klassischen Anzugs nichts falsch machen. Die parallele Schnürvariante steht dem Oxfordschuh am besten. Eine Nuance derber sind Brogues aus Pferdeleder. Brogues (erkennbar an den Lochverzierungen des Schafts) passen sowohl zum Anzug als auch zu Jeans. Mit dem Vorurteil, dass Loafer nicht zu Anzügen getragen werden können, möchte der Stilcoach gerne aufräumen: "Ein eleganter rahmengenähter Loafer kann sehr wohl zum edlen Zwirn getragen werden und auch jeden Schnürer ersetzen." Und was meint der Experte zum Thema Stiefel? "Für smartes Business-Styling unter Agenturleuten und Designern darf es auch ein Boot sein, wenn der klassische Anzug modische Akzente aufweist."

Eher Typ "Danny de Vito" oder Typ "Sky du Mont"?

Gürtel: Farbe und Material sollten immer zu den Schuhen passen - allerdings auch nicht zum optischen Overkill werden. "Krokoleder am Fuß und an der Taille ist einmal Kroko zu viel", sagt der Experte. Der perfekte Gürtel zum Anzug ist nicht breiter als 3,5 Zentimeter und hat eine dezente Schließe aus Silber- oder Palladiumauflage.

Schmuck: Armketten, Ohrringe, Siegelringe oder Anstecknadeln hält der Stilberater für verzichtbar. Drei Schmuckstücke bilden allerdings eine Ausnahme: Ehering, Uhr und Manschettenknöpfe. Letztere seien besonders in gehobenen Positionen oder zu Abendveranstaltungen ein passendes Accessoire, sollten aber unbedingt dezent gehalten sein. Eine besondere Rolle nimmt die Herrenuhr ein: Statussymbol, Style-Veredler und Ausdruck der Persönlicheit in einem.

Die richtige Größe: Stilberater Rose fasst drei Größentabellen zusammen: für untersetzte, normale und schlanke Größen. "Typ Danny de Vito" (klein und rundlich) trägt demnach eine 20er Größe, idealerweise kurze und weite Jacken sowie Gürtel statt Hosenträgern. Typ "Giovanni di Lorenzo" trägt normale Konfektionsgröße zwischen 46 und 60. Typ "Sky du Mont" (schlank und größer als 1,90 Meter) braucht dagegen Größe 90 bis 116 und unbedingt ein Sakko, das den Po bedeckt. Besonders kräftige, muskulöse oder athletisch gebaute Männer sind auf Maßanfertigungen angewiesen.

Gut zu wissen:

  • Auch das beste Outfit kann an Ungepflegtheit scheitern. Daher sollte Mann auf einen guten Haarschnitt sowie gepflegte Hände und Fingernägel bedacht sein.
  • Ungeputzte Schuhe und abgelaufene Sohlen sind im wahrsten Sinne des Wortes untragbar. Beim Schuhkauf unbedingt auf Qualität achten - und die Schuhe pflegen.
  • Das T-Shirt unter dem Hemd sollte nicht zu sehen sein, daher besser zu Shirts mit V-Ausschnitt greifen. Oder wie es der Stilberater auf den Punkt bringt: "Rundhals-Shirts im amerikanischen Stil sind schon lange passé."
  • Wenn Krawatten im Unternehmen zum Dresscode gehören, sind Kurzarmhemden tabu. Steigen die Temperaturen im Sommer ins Unerträgliche oder fällt die Klimaanlage aus, darf der Mann sich die langen Hemdsärmel hochkrempeln - allerdings nie bis über den Ellenbogen.
  • A propos Sommer: Offene Schuhe sind etwas für die Freizeit.
  • Anzüge und Hemden immer passgenau kaufen, wenn nötig anpassen lassen. Stilberater Andreas Rose hat beobachtet, dass Männer oft eine Konfektionsnummer zu groß tragen.
  • Männer die größer sind als 1,90 Meter lassen sich am besten abmessen, um das passende Sakko zu finden. Die normalen 50-er-Größen fallen bei großen Männern zu kurz aus.
  • Ein Einstecktuch im Sakko sieht immer gut aus. Der Stoff sollte qualitativ hochwertig sein. Achtung: Das Material und die Farbe des Einstecktuchs sollte nicht mit dem Krawattentuch identisch sein, sondern nur mit ihm harmonieren. Ein Klassiker ist Andreas Rose zufolge das weiße Einstecktuch aus Baumwolle. Wer's moderner mag, könne ein Tuch aus farbiger Seide oder Cashmere wählen.
  • Der Geldbeutel gehört nicht in die Gesäßtasche. In der stilvollen Variante trägt der Mann seine Wertsachen in einem kleinen Portemonnaie in der Innentasche des Sakkos.

Experte Andreas Rose arbeite als Stilcoach und Personal Shopper. Er berät sowohl Männer als auch Frauen und berichtet in seinem Blog regelmäßig über die neuen Trends der internationalen Modeszene.

© Süddeutsche.de/mkoh/dd
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