Disney lockert Vorschriften für Mitarbeiter:Mickys bärtige Freunde

Lidschattenverbot, Strumpfhosenpflicht, Barttabu: Jahrelang verordnete der Disneykonzern den Erlebnispark-Angestellten Vorschriften für eine makellose Optik. Eines der letzten Verbote wird nun aufgehoben: In den Gesichtern der männlichen Mitarbeiter darf es künftig sprießen. In millimetergenauen Maßen, versteht sich.

Mit breitem Lächeln, Gelfrisur - und Oberlippenbart: So ist Walt Disney auf den alten Schwarzweißfotos zu sehen, so haben seine Fans den Vater von Micky Maus in Erinnerung. Die Kinnpartien und auch die Oberlippen seiner zahlreichen Erlebnispark-Mitarbeiter waren hingegen jahrzehntelang so glatt wie Mickys glänzende schwarze Nase.

CENTENNIAL OF WALT DISNEY BIRTH TO BE CELEBRATED DECEMBER 5

Walt und seine Mäuse: Obwohl selbst Bartträger, verbot der Disney-Vater den Mitarbeitern seiner Erlebnisparks, Bart zu tragen.

(Foto: Reuters)

Damit ist es nun vorbei: In einem für Disney-Verhältnisse beinahe revolutionären Schritt erlaubt der Comic-Konzern den Angestellten seiner Erlebnisparks künftig, die Gesichtbehaarung sprießen zu lassen. In Maßen, versteht sich.

Vom 3. Februar an dürfen männliche Angestellte Bärte tragen - soweit diese die Länge von 13 Millimetern nicht überschreiten und "einen allgemein ordentlichen, sauberen und professionellen" Eindruck machen, heißt es in einem aktuellen Memo an die Mitarbeiter.

Der Bart-Erlass bricht mit einer jahrzehntealten Tradition: Als 1955 mit Disneyland der erste Freizeitpark der Phantasiefabrik öffnete, untersagte Walt, der Bartträger, den Angestellten persönlich, selbst Bart zu tragen.

Die Regel war Bestandteil eines ganzen Vorschriftenkatalogs, der garantieren soll, dass der sogenannte Disney Look stets makellos ist: Sauber, gepflegt und adrett sollten die Mitarbeiter der Micky-Maus-Welt sein, ein tadelloses Vorbild für die Kinder eben. Dazu gehört neben strengen Kleidungsvorschriften auch die Vorgabe für die Mitarbeiter, vor den Parkbesuchern nicht zu rauchen, zu essen oder zu trinken. Disney wollte sich seinerzeit damit von den eher zwielichtigen Jahrmärkten der Epoche - und deren Schaustellern - abheben.

Das strenge Regelwerk zum Disney Look umfasste viele Jahre lang ein komplettes Make-up-Verbot, Strumpfhosenpflicht für rocktragende weibliche Angestellte - und ein absolutes Bartverbot. Als Disney 1989 einen Vergnügungspark in Long Beach übernahm, sorgte der Konzern für einen kleinen Skandal, als drei bärtige Angestellte ihren Hut nehmen mussten.

Gepflegte Schnauzer

Bereits 1994 wurde den Damen des Disney-Kosmos Lidschatten und Eyeliner gestattet, 1999 sogar matter Nagellack. 2000 folgte die Sensation: Schnauzer wurden enttabuisiert, Oberlippenbärte erlaubt. "Die Debatte mit unseren Gästen zeigte, wenig überraschend, dass ihnen der Disney Look sehr wichtig ist und sie die Parkmitarbeiter als Vorbilder für ihre Kinder betrachten", zitierte die Los Angeles Times damals aus einem Memo an die Mitarbeiter. "Dabei wurde auch deutlich, dass gepflegte Schnauzer mit ihren Erwartungen an uns konsistent sind."

Gleichwohl eine Sensation, blieb der Freibrief für den Oberlippenbart für viele der Zehntausenden Disney-Angestellten - allein in Disney-World in Florida arbeiten mehr als 60.000 Menschen - ohne Folge. Es sollte noch Jahre dauern, bis der ironische Schnurrbart unerwartet wieder in Mode kam. Nun dürfen also neben Disneys sieben Zwergen und der Ziege aus Disneys Glöckner von Notre Dame auch die Parkmitarbeiter Voll- und Kinnbart tragen. Zudem ist ausgewählten Angestellten von Februar an der Casual Friday erlaubt: All jene, die zum Beispiel in Donald's Diner Burger braten und in dieser Funktion weder Kostüm tragen noch direkten Kontakt zu Parkbesuchern haben.

Die letzten Lockerungen des Disney-Dresscodes gab es 2010: Damals wurde Frauen gestattet, die Strumpfhosen unter den Röcken wegzulassen und ärmellose T-Shirts zu tragen - soweit die Träger mindestens 76 Millimeter breit sind. Vor allem für die Mitarbeiterinnen von Disney World im sonnenverwöhnten Florida eine spürbare Erleichterung. Unter so einem Vollbart dagegen kann es schneller mal heiß werden.

© Süddeutsche.de/leja/aho/gba
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