Co-Working Zusammen statt immer nur alleine

Tanja Lenke, Wahlberlinerin, hat die Geschäftsideen der anderen zu ihrer Geschäftsidee gemacht.

(Foto: Emanuele Siracusa)

Warum sich freiberuflich arbeitende Frauen bei "Shepreneur" per Webcam gegenseitig beim Arbeiten über die Schulter schauen.

Von Andrea Rexer

Plopp, plopp, plopp: Ein Fenster nach dem anderen öffnet sich. Eine Frau nach der anderen winkt in ihre Webcam. Der Bildschirm füllt sich, am Ende gucken 18 Frauen in die Kameras. Bei Anja sieht man einen Buddha im Hintergrund, Christina sitzt vor dem Wallpaper einer Großstadt, manche haben Kopfhörer auf, bei manchen sieht man ordentlich aufgeräumte Regale im Hintergrund.

"Schön, euch zu sehen", ruft Tanja Lenke in das virtuelle Co-Working-Büro hinein. "An was arbeitet ihr heute?" Buchhaltung, Angebote erstellen, Konzepte erarbeiten, rufen die Frauen aus ihren Büros an den verschiedensten Orten in Deutschland in die Mikros. Es sind Arbeiten, die Selbständige eben so zu erledigen haben. Denn die Frauen, die sich hier im virtuell geteilten Büro treffen, haben ihr eigenes Unternehmen gegründet. Tanja Lenke hilft ihnen dabei.

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Die 37-jährige Wahl-Berlinerin hat die Geschäftsideen der anderen zu ihrer Geschäftsidee gemacht: Sie berät Frauen, die sich selbständig gemacht haben. Sie gibt Video-Tutorials zu Themen wie Zeitmanagement, Selbstorganisation oder Marketing. Und das macht sie offensichtlich so gut, dass sich schon 80 Frauen in ihren Club eingetragen haben und bereit sind, für Lenkes Angebot eine monatliche Gebühr zu zahlen. Eines ihrer beliebtesten Angebote ist das virtuelle Co-Working.

Auch wenn es für Außenstehende absurd klingt, dass sich eine Gruppe von Frauen über Webcams stundenlang freiwillig gegenseitig über die Schultern schaut - die Nutzerinnen finden es völlig normal. "In einem Großraumbüro sieht man sich ja auch gegenseitig", sagt eine von ihnen. Und Lenke ergänzt: "Virtuelles Co-Working unterscheidet sich in den wesentlichen Punkten gar nicht so sehr von physischen Co-Working-Büros: In Arbeitspausen tauscht man sich mit den Kollegen aus und wenn man den Blick hebt, sieht man andere fleißig bei der Arbeit. Das spornt an, selbst auch dran zu bleiben."

Und in der Tat führen das auch ihre Kundinnen als den wichtigsten Grund an, warum sie ihre Webcams einschalten: "Ich bin viel effektiver, wenn die Webcam an ist", sagt eine der Frauen. "Wenn ich angekündigt habe, dass ich die Buchhaltung mache, dann mache ich sie auch wirklich in der Zeit", sagt eine andere. Viele behalten sich explizit unangenehme Arbeiten für die Zeit des Co-Workings auf. Es hilft ihnen bei der Selbstdisziplin, wenn die Kameraaugen kontrollieren, ob sie zwischendurch aufstehen und die Wäsche machen, oder ob sie konzentriert am Computer sitzen bleiben.