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Co-Working-Büro "Rockzipfel":Mama arbeitet nebenan

Co-Working Büro "Rockzipfel"

Die Kinder sind beschäftigt, die Eltern können Dinge erledigen.

(Foto: Fee Ronja Schineis-Brönner)

Homeoffice mit Kind: Klingt gut, doch solange das Kleinkind wach ist, kommt man häufig zu nichts. Das Projekt "Rockzipfel" will das ändern. Besuch im Eltern-Kind-Büro.

Es ist eine deprimierende Zahl, die Jahr für Jahr bei der Umfrage "Monitor Familienleben" der Allensbach-Stiftung herauskommt: Zwei Drittel der Deutschen haben den Eindruck, dass sich Familie und Beruf nicht gut miteinander vereinbaren lassen. Mütter sehen das noch kritischer: 75 Prozent finden dies schwierig. Ansätze, dieses Dilemma zu lösen, oder zumindest zu erleichtern, gibt es einige: Ganztagsschulklassen, der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz und das Elterngeld, das Müttern den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern soll.

Die Eltern, die sich an einem heißen Montagvormittag im Juni im Nachbarschaftstreff "Tatz" in München-Sendling treffen, versuchen einen neuen Weg der Vereinbarkeit. Die Türe zur Straße ist offen, auf dem Boden sitzen vier Kinder zwischen einem und drei Jahren und beschäftigen sich mit Spielzeug. Einige der Mütter sitzen bei den Kindern und helfen, wenn sie gebraucht werden, oder unterhalten sich miteinander.

Was aussieht, wie eine ganz normale Krabbelgruppe, ist mehr. Der Unterschied wird klar, wenn man ins Nebenzimmer geht. Dort stehen vier offene Laptops, zwei sind von arbeitenden Frauen besetzt, die sich von der Geräuschkulisse nicht stören lassen. Jeden Montag öffnet hier "Rockzipfel", das einzige offizielle Mutter-Kind-Büro der Stadt.

"Nicht jede Mama will ihr Kleinkind in die Kita geben"

Yvonne Berl ist freiberufliche Programmiererin und Diplompädagogin - und Mutter einer einjährigen Tochter. Sie erklärt das Konzept "Rockzipfel": "Nicht jede Mama will ihr Kleinkind in die Kita geben. Andere haben keinen Krippenplatz bekommen und wollen oder müssen trotzdem arbeiten. Hier im Eltern-Kind-Büro kann man den Tag mit dem Kind verbringen und kommt trotzdem zum Arbeiten." Eigentlich könne man sich "Rockzipfel" vorstellen "wie eine Spielgruppe, aus der sich die Eltern immer wieder ausklinken können".

Jeder Tag steht unter einem anderen Motto für die Kinder. Heute sind im ganzen Raum Montessori-Spielsachen aufgebaut: Bohnen, die die Kinder von einem Behälter in den anderen löffeln können, Schraubverschlüsse zum Auf- und wieder Zuschrauben, Reißverschlüsse, Klettverschlüsse, Knöpfe und andere Materialien, die dem Prinzip der Pädagogin Maria Montessori "Hilf mir, es selbst zu tun" entsprechen.

Yvonne Berl erklärt, wie der Alltag im Eltern-Kind-Büro funktioniert: "Wir kommen meist gegen zehn Uhr an und bauen auf. Dann teilen sich die Mütter auf: Die einen kümmern sich um die Kinder, die anderen setzen sich an den Schreibtisch." Wobei das nicht bedeutet, dass jede Mutter sich sofort in die Arbeit stürzen muss. "Man kann machen, was man will. Egal, ob das die Steuererklärung ist, man seine Urlaubsfotos bearbeiten möchte oder einfach mal ein Buch lesen. Es gibt keinen Zwang zur Produktivität. Wenn man möchte, kann man auch einfach schlafen, während das eigene Kind betreut ist."

Einzige Verpflichtung: Die Mütter wechseln sich mit der Betreuung der Kinder ab, so dass jede zum Arbeiten kommt. Und man muss im Haus bleiben, kann sein Kind also nicht abgeben, um mal eben zum Arzt zu gehen. Das hat vor allem rechtliche Gründe: Die Aufsichtspflicht muss immer bei den Eltern bleiben, sonst müsste der Verein ganz andere Auflagen erfüllen.

Um 13 Uhr gibt es ein gemeinsames Mittagessen, das jedes Mal von einer anderen Mutter gekocht wird. Danach wird weiter gearbeitet und gespielt, bis das Büro um 18 Uhr schließt und wieder zum Nachbarschaftstreff wird.