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Bessere Noten durch strenge Erziehung:Empörung oder Neid?

So beschreibt Chua in einer Episode, wie sie mit ihrer damals siebenjährigen Tochter ein kompliziertes Klavierstück übte, das einfach nicht gelingen wollte. "Lulu schlug um sich. Sie zerriss die Noten in kleine Fetzen. Ich klebte sie wieder zusammen. Dann verfrachtete ich ihr Puppenhaus ins Auto und drohte, es einem Kinderheim zu spenden, wenn sie das Stück nicht bis zum nächsten Tag perfekt spielen würde. Ich drohte ihr mit Essensentzug, mit Geschenkeverbot zu Weihnachten und mit der Abschaffung von Geburtstagsfeiern."

Yale-Professorin Amy Chua sorgt mit ihren Erziehungsthesen für Aufsehen.

(Foto: AP)

Lulu spielte es immer noch falsch. "Wir übten die ganze Nacht und ich erlaubte Lulu nicht aufzustehen. Weder um etwas zu trinken, noch um auf die Toilette zu gehen", schreibt Chua zum Entsetzen amerikanischer Eltern. Doch am Ende schaffte ihr Tochter, das Stück fehlerfrei zu spielen - und freute sich selbst darüber am meisten, wie Chua betont. Und genau deshalb sieht sie sich und ihre Methoden bestätigt: "Westliche Eltern sorgen sich viel um das Selbstbewusstsein ihrer Kinder. Aber das Schlimmste, was Eltern für das Selbstbewusstsein der Kinder tun können, ist, ihnen zu erlauben, aufzugeben."

Dass chinesische Kinder auch in der Schule Höchstleistung erbringen, ist somit nur eine logische Folge der Erziehung, wie Chua betont. "Wenn ein chinesisches Kind eine Zwei bekommt - was nie passieren würde -, würde es bei den Eltern Geschrei und einen Wutanfall auslösen. Die verzweifelte chinesische Mutter würde dann Dutzende, wenn nicht Hunderte Übungstests besorgen und sie mit ihrem Kind durcharbeiten, so lange, bis es eine Eins bekommt. Chinesische Eltern fordern Bestnoten, weil sie daran glauben, dass ihr Kind sie bekommen kann", so die Erläuterung.

Spiegelt die Empörung in den amerikanischen Medien also auch ein bisschen Neid auf die Konsequenz asiatischer Eltern wider? Gut möglich, wie eine Kommentatorin im Slate Magazine schreibt. Demnach ist es nicht nur die Erfolgsgeschichte von Chua und ihren Töchtern, sondern vor allem das Vertrauen, das die Yale-Professorin in ihre eigene Erziehungsmethoden hat, das für Neid sorgt. "Ihr Buch zu lesen, ist, als ob man im Geheimen durch das Schlüsselloch einer kontrollsüchtigen, aber ehrlichen Mutter schaut", schreibt eine Rezensentin der Washington Post.

Die Aufmerksamkeit für ihr Buch ist Amy Chua jedenfalls gewiss. Provokative Thesen sind nicht das erste Mal die beste Verkaufswerbung für ein umstrittenes Werk.

Inzwischen fühlte Amy Chua sich angesichts der landesweiten Empörung jedoch dazu gezwungen, klarzustellen, dass sie nicht alles in ihrem Artikel wörtlich meint. "Meine Erzählungen sollten ironisch und selbstkritisch sein", sagt sie der New York Times. Sie selbst sei sehr schlecht darin, das Leben zu genießen, räumt sie ein, ebenso, dass sie sich im Studium nicht gerade als neugieriger, kritischer Geist hervortat: "Ich wollte einfach alles aufschreiben, was der Professor sagte und es auswendig lernen." Erfolgreich wurde sie trotzdem. Und sie liebt ihre Eltern dafür, sie nach den chinesischen Regeln erzogen zu haben, wie sie betont.

Aber sie verschweigt nicht, dass auch sie mit ihren Methoden manchmal an Grenzen stößt. So weigerte sich ihre Tochter Lulu irgendwann, weiterhin Violine zu spielen. "Es brach mir das Herz, aber ich musste ihr erlauben, es aufzugeben", räumt die erfolgreiche Mutter ein.

Und dass es auch mit ihrem Selbstbewusstsein und dem Glauben an ihre Erziehungsmethoden manchmal nicht so weit her ist, gibt sie ebenfalls zu: "Ich arbeite daran. An schlechten Tagen würde ich sagen, diese Methode ist grauenvoll. Ich muss meinen Töchtern einfach mehr Freiheit geben. An guten Tagen, wenn Lulu zu mir sagt 'Ich bin so froh, dass du mich gezwungen hast, meinen Aufsatz noch mal zu schreiben. Mein Lehrer hat ihn laut vorgelesen, weil er so gut war', denke ich, ich sollte alles so machen wie bisher." Was richtig oder falsch ist, überdenken wohl auch leistungsorientierte Eltern in den USA nach Chuas Aufsatz neu.

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