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Bayern: Kultusminister Ludwig Spaenle im Gespräch:"Aus Prinzip an etwas festzuhalten, ist immer falsch"

sueddeutsche.de: In unionsregierten Ländern wie Sachsen und Thüringen sind Haupt- und Realschule längst zusammengefügt. Was spricht dagegen, unter dem Dach einer Oberschule beide Abschlüsse anzubieten?

Spaenle: Das sind völlig unterschiedliche Konzepte. In Bayern haben wir vor knapp zehn Jahren die sechsstufige Realschule eingeführt. Da kann die Mittlere Reife abgelegt werden und zugleich haben die Schüler die Möglichkeit, über die berufliche Oberschule den Weg zur Hochschulreife weiterzugehen. Ein solches Schulkonzept mit der stark praxisorientierten Hauptschule zusammenzulegen, ist politisch falsch.

sueddeutsche.de: Den Schülern in Sachsen hat die sächsische Version der Mittelschule, die Haupt- und Realschule unter einem Dach verbindet, nicht geschadet. Im Pisa-Ranking belegt Sachsen stets Spitzenpositionen.

Spaenle: Das stimmt. Aber wenn Sie sich die einzelnen Züge der Haupt- und Realschule unter dem Dach der Mittelschule anschauen, dann sind die bayerischen Ergebnisse noch ein wenig besser.

sueddeutsche.de: Dennoch: Die CDU hat sich von der Hauptschule verabschiedet. Wie wollen Sie das jetzt noch verhindern?

Spaenle: Jetzt wird dieser Beschluss erst einmal auf dem CDU-Parteitag im November in Leipzig diskutiert. Ich bin mit der Union in unterschiedlicher Funktion, auch als Sprecher der Unions-Kultusminister, im Gespräch - und werde meine Argumente natürlich weiter einbringen.

sueddeutsche.de: Die CSU ist in letzter Zeit kaum wiederzuerkennen. Horst Seehofer kann es mit dem Atomausstieg gar nicht schnell genug gehen. Ist die Schulpolitik und das Festhalten an der Hauptschule nicht der letzte verzweifelte Versuch, so etwas wie ein konservatives Profil zu wahren?

Spaenle: Aus Prinzip an etwas festzuhalten, ist immer falsch. Wenn Sie mit konservativ meinen, dass ich das Erhaltenswerte bewahren und weiterentwickeln möchte, dann bin ich gerne konservativ.

sueddeutsche.de: Kann die CDU nach der Entscheidung vom Montag weiter der bildungspolitische Partner der CSU sein?

Spaenle: Selbstverständlich, denn wir sind uns ja in großen Teilen einig. Die Kollegen von der CDU sind unsere natürlichen Gesprächspartner und politischen Seelenverwandten.

© sueddeutsche.de/sonn/bgr

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