bedeckt München 27°

Ausbildung:"Mit Virtual Reality können wir die Dinge ganz anders erklären"

Virtuelle Schulungen können von jedem Ort aus gemacht werden. Das spart Arbeitszeit und Reisekosten für Mitarbeiter, so kalkulieren die Firmen. An den Standorten wird nur das VR-System benötigt, das für einen niedrigen vierstelligen Betrag zu haben ist. Einmal eingerichtet, kann das Training ohne Einschränkung wiederholt werden. Bei jeder Neueinstellung, bei allen regelmäßigen Seminaren.

Die Simulationstechnik dient aber nicht nur der Übung, sondern kann auch Monteuren im Außeneinsatz die Arbeit erleichtern. Augmented Reality (AR) heißt das dann. Im Gegensatz zur VR werden hierfür keine neuen Welten geschaffen, sondern nur einzelne virtuelle Elemente in die echte Welt projiziert. Auch in diesem Fall trägt der Monteur eine Brille, allerdings eine mit transparenten Gläsern, ähnlich einer deutlich zu großen Fahrradbrille. Der intern verbaute Computer macht die AR-Brille unterwegs leicht einsetzbar.

Mit ihrer Hilfe sieht der Mitarbeiter, woran er arbeitet und bekommt zeitgleich hilfreiche Einblendungen angezeigt. Das Münchner Start-Up Viscopic arbeitet an dieser Technik und entwickelt unter anderem für Automobilhersteller Schulungsprogramme. Auch die Deutsche Bahn ist einer der Projektpartner.

Thomas Knauer-Arnold, einer der drei Gründer von Viscopic, steht in seinem Büro in Garching bei München, AR-Brille auf dem Kopf, Daumen und Zeigefinger vor sich gespreizt. So bewegt er die schwebenden Schienen, die nur er vor sich sieht, durch den Raum. Ein Bahntechniker könnte sich damit nun im Reparatureinsatz einen virtuellen Zwilling des Weichenmotors einblenden lassen, so dessen Funktionsweise verstehen und sich anschließend an das echte Modell wagen. Ist der Techniker mal überfragt, schaltet er über eine Kamera in der Brille einen Experten zu, der ihm Anweisungen geben kann.

Virtual Reality Innovationen, die aus der Porno-Industrie kamen
Technologie und Sex

Innovationen, die aus der Porno-Industrie kamen

Wenn eine neue Technologie wie Virtual Reality erfolgreich sein soll, braucht es dafür hochwertige Porno-Produktionen - mal wieder. Über zwei Branchen, die seit mehr als 100 Jahren miteinander verbunden sind.   Von Jürgen Schmieder

Im Gegensatz zur echten Welt müssen weder die Maschinen, Autos oder Züge noch die Mitarbeiter am selben Ort sein. Wie in einem Multiplayer-Spiel an der Konsole können Auszubildende gemeinsam trainieren - und auch mal Fehler machen. Dadurch steige der Lerneffekt, sagt AR-Unternehmer Knauer-Arnold. Auch Störungen oder Notfälle können problemlos simuliert und Mitarbeiter auf den Ernstfall vorbereitet werden.

So sehr Wirtschaftsunternehmen die Technik auch loben, der große Durchbruch ist damit noch nicht gelungen. "Wir stehen erst am Anfang", sagt VR-Forscher Bremer, "aktuell geht es hauptsächlich darum, die Technik auszuprobieren und an der Entwicklung teilzuhaben." Noch seien die grafische Darstellung der virtuellen Welten zu schlecht und die Anwendungsmöglichkeiten begrenzt. Es werde noch mindestens fünf bis sechs Jahre dauern, bis Virtual Reality massenhaft angewendet wird, schätzt Bremer.

Auch bei der Deutschen Bahn ist man sich der Grenzen bewusst. Die VR-Schulungen seien nichts für stundenlange Übungen, sagt IT-Berater Respondek. Das sei zu anstrengend und manchen Menschen werde dabei schwindlig. Gerade ältere Mitarbeiter hätten außerdem häufig Bedenken, falle ihnen die virtuelle Bedienung doch meist schwerer als den jungen Kollegen. "Es werden nicht alle DB-Mitarbeiter über das Programm jubeln", schätzt Respondek. Deshalb werde die VR-Schulung nur ergänzend zur Praxisausbildung eingeführt. Obwohl die Deutsche Bahn ihr VR-Programm bereits vorgestellt hat und damit wirbt, dauert es noch bis zur flächendeckenden Schulung der Mitarbeiter. Vermutlich bis Ende 2018, schätzt ein Bahnsprecher.

Mit der weiteren Entwicklung von VR-Programmen wäre es möglich, Menschen zukünftig zu schulen, die es heute noch schwer haben, eine Ausbildung zu beginnen. Auch wenn es aktuell noch keine solcher Pläne gibt, sei es grundsätzlich denkbar, bei der VR-Schulung komplett auf Sprache zu verzichten, sagt Respondek von der Deutschen Bahn. Der Trainer könnte beispielsweise grafische Hinweispunkte in das Programm einblenden, die das weitere Vorgehen signalisieren. Auch eine sprachlose Steuerung über Symbole wäre machbar. "Mit Virtual Reality können wir die Dinge ganz anders erklären", sagt Game-Design-Experte Bremer.