Gehalt Höhere Löhne sollen Azubis anlocken

Eine Auszubildende in einer Münchner Bäckerei: Der Job ist etwas für Frühaufsteher, die Vergütung für Lehrlinge legte jetzt überdurchschnittlich zu.

(Foto: Robert Haas)

In Berufen mit wenigen Bewerbern wird nun mehr gezahlt, zeigt eine Studie. Das ist auch deshalb interessant, weil die Bundesregierung eine Mindestvergütung für Auszubildende plant.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Der Nachwuchsmangel führt in einigen Branchen offenbar dazu, dass der Spruch "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" überdacht wird. Zu diesem Schluss jedenfalls kann man kommen beim Blick auf die Vergütungen der Auszubildenden, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) erhoben hat. 908 Euro im Monat haben Lehrlinge 2018 im Schnitt verdient, 3,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer Studie hervor, die das BIBB an diesem Mittwoch veröffentlichen will. Die Tariflöhne insgesamt dagegen legten 2018 nur um 3,1 Prozent zu.

Der Zuwachs bei den Azubivergütungen fiel stärker aus als 2017 (2,6 Prozent) und 2016 (3,4 Prozent); davor hatten sie noch kräftiger zugelegt. Nach wie vor bekommen Auszubildende im Westen mit durchschnittlich 913 Euro etwas mehr Geld als im Osten mit 859 Euro. Inzwischen kommen ostdeutsche Azubis auf 94 Prozent der West-Vergütung, vor zehn Jahren waren es noch 86 Prozent. Grundlage der Auswertung sind die tariflichen Ausbildungsvergütungen in 181 Berufen in Westdeutschland und 153 im Osten; in einigen Berufen gibt es für Ostdeutschland keine tarifliche Regelung.

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Auffällig ist, dass die Vergütungen dort überdurchschnittlich stark gestiegen sind, wo besonders viele Ausbildungsplätze leer bleiben. Die 15 Berufe mit den größten Besetzungsproblemen finden sich dem BIBB zufolge vor allem in der Gastronomie, im Lebensmittelhandwerk und in der Reinigungsbranche. Passend dazu hat die Vergütung für angehende Restaurantfachfrauen und -männer im Osten, wo die demografische Entwicklung schon deutlicher zu spüren ist als im Westen, nun um 10,6 Prozent zugelegt. Auch im Gebäudereinigerhandwerk kamen Azubis in Ostdeutschland auf fast sechs Prozent höhere Verdienste. In der Systemgastronomie lag das Plus in Ost und West mit 4,5 Prozent ebenfalls über den Durchschnitt, genau wie bei Bäckern mit 6,4 Prozent.

Besonders hohe Ausbildungsvergütungen werden mit durchschnittlich 1159 Euro im Monat für angehende Maurer gezahlt. Auch Mechatroniker gehören mit 1088 Euro zu den Gutverdienern. Am unteren Ende dagegen finden sich Friseurlehrlinge mit 584 Euro und Schornsteinfeger-Azubis mit 518 Euro. Den BIBB-Berechnungen zufolge kam gut jeder fünfte Auszubildende auf monatliche Beträge von 1050 Euro und mehr; etwas mehr als die Hälfte verdienten zwischen 800 und 1050 Euro und ein Viertel weniger als 800 Euro. Insgesamt wurden die höchsten Ausbildungsvergütungen im öffentlichen Dienst gezahlt; im Westen war das Handwerk Schlusslicht, im Osten die Landwirtschaft.

Die Bundesregierung plant eine Mindestvergütung für Lehrlinge

Dass Branchen mit eklatantem Lehrlingsmangel die Azubivergütungen zuletzt besonders kräftig erhöht haben, ist auch deshalb interessant, weil die Bundesregierung derzeit eine Mindestvergütung für Auszubildende plant - um die Spreizung der Vergütung "nach unten hin" zu begrenzen und Ausbildungen attraktiver zu machen, wie es im Gesetzentwurf von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) heißt. Offenbar aber nehmen einige Branchen das bereits selbst in die Hand.

Karliczek plant eine Untergrenze angelehnt an den Schüler-Bafög-Satz von 504 Euro im Monat. Dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) geht das nicht weit genug. "Jugendliche und Betriebe werden von diesen Vorschlägen kaum profitieren", sagt die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. 504 Euro seien zu wenig, zudem würden andere wichtige Themen in der Novelle des Berufsbildungsgesetzes nicht angegangen. "Zur Qualität der Ausbildung schweigt das Ministerium", sagt Hannack. Der Entwurf müsse kräftig überarbeitet werden.

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