bedeckt München 21°

Arbeitsmarkt - Halle (Saale):Corona-Krise beendet Arbeitsmarktaufschwung: Viel Kurzarbeit

Arbeitsmarkt
Ein Mann geht an dem Logo der Agentur für Arbeit vorbei. Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Erfurt (dpa/th) - Der Frühjahrsaufschwung am Thüringer Arbeitsmarkt ist in der zweiten Märzhälfte durch die Corona-Krise gestoppt worden. Dadurch habe sich die Lage völlig verändert, erklärte der Geschäftsführer der Landesarbeitsagentur, Markus Behrens, am Dienstag. Viele Unternehmen versuchten, den Stillstand in Teilen der Wirtschaft mit Kurzarbeit zu überbrücken. Die Zahl der Kurzarbeiter sei stark gestiegen.

Die Zahlen zur Situation am Thüringer Arbeitsmarkt wurden am 12. März erhoben - sie geben darum nicht die aktuelle Situation wieder. Bis zu diesem Zeitpunkt verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat auf 60 600. Das waren 2200 weniger als im Vergleich zu Februar und 1500 weniger als im März 2019. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent in Thüringen.

"Wir müssen davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Wochen steigen wird und dass auch mehr Menschen Leistungen der Grundsicherung beantragen. Je länger die Krise andauert, desto stärker werden die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sein", so Behrens. Die Arbeitsagenturen hätten auf Krisenbetrieb umgestellt und setzten gerade massiv Personal in die Bereiche um, die sich um Kurzarbeitergeld und Hartz IV-Leistungen kümmerten. "Das machen wir auch an Wochenenden", so der Geschäftsführer.

Die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind trüb. Das Ifo-Institut in Dresden registrierte im März einen massiven Einbruch beim Geschäftsklima in ostdeutschen Unternehmen. Sowohl die Lageeinschätzungen als auch die Geschäftserwartungen der befragten Firmen seien "steil nach unten gerichtet", hieß es.

In Thüringen sind bereits tausende Arbeiter und Angestellte in Kurzarbeit. Der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, sagte, Kündigungen müssten unbedingt vermieden, Betriebe erhalten werden. Nötig sei aber auch die Einkommenssicherung der Arbeitnehmer. Bei Kurzarbeit falle mindestens ein Drittel des Einkommens weg.

Damit vor allem Beschäftigte im Niedriglohnbereich nicht in existenzielle Nöte gerieten, sei eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes nötig. Die DGB-Gewerkschaften wollten das mit den Arbeitgeberverbänden tariflich vereinbaren. Sollte das nicht funktionieren, sei die Politik gefordert, das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent aufzustocken.

Rudolph: "Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit. Die Unternehmen werden zu 100 Prozent von den Sozialversicherungsbeiträgen entlastet. Dann muss davon auch die Hälfte an die Beschäftigten weitergegeben werden." Aktuelle Zahlen zur Kurzarbeit will die Landesarbeitsagentur am Dienstagnachmittag veröffentlichen.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat auch, dass Weiterbildungsangebote gestoppt werden mussten. "Fast alle Bildungsträger haben aufgrund der behördlichen Anordnungen in den vergangenen Wochen ihre Bildungsaktivitäten eingestellt oder erbringen diese online für die Teilnehmer", so Behrens.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite