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Affäre um Doktorarbeit:Erstes Plagiatsopfer stellt Strafantrag gegen Guttenberg

Es ist noch lange nicht vorbei, bevor es zu Ende ist: Erstmals hat einer der Autoren, von denen der ehemalige Verteidigungsminister Guttenberg abgeschrieben haben soll, Strafantrag gegen ihn gestellt - kurz bevor die Uni Bayreuth ihren Bericht zur Plagiatsaffäre vorstellt.

Die Plagiatsaffäre Karl-Theodor zu Guttenberg ist noch lange nicht zu Ende. Erst am Freitag gab die Universität Bayreuth bekannt, der ehemalige Verteidigungsminister habe in seiner Doktorarbeit nicht nur abgeschrieben, sondern vorsätzlich getäuscht. Jetzt könnte die Dissertation für den CSU-Politiker auch noch ernsthafte juristische Konsequenzen haben: Zum ersten Mal hat einer der Autoren, von denen Guttenberg abgeschrieben haben soll, Strafantrag gestellt. Das berichtet die Zeitung Die Welt.

Uni Bayreuth zu Guttenberg-Doktorarbeit

Hat laut Uni Bayreuth vorsätzlich getäuscht: Karl-Theodor zu Guttenberg

(Foto: dpa)

Um welchen Autor es sich handelt, ist unklar. Er wolle anonym bleiben, schreibt die Zeitung, um "nicht in ein laufendes Verfahren einzugreifen".

Der Strafantrag verleiht den Ermittlungen eine neue Dringlichkeit: Im Gegensatz zur Strafanzeige, die von jedermann gestellt werden kann, muss der Strafantrag von jemandem gestellt werden, der sich unmittelbar verletzt fühlt - wie in diesem Fall der Autor eines Textes, den Guttenberg plagiiert haben soll.

Die Universität Bayreuth veröffentlicht am Mittwochmittag den Abschlussbericht zur Plagiatsaffäre. In dem mehr als 40-seitigen Bericht kommt die Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" zu dem Schluss, dass Guttenberg bei seiner Doktorarbeit die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt und die Prüfungskommission vorsätzlich getäuscht hat. Die Hochschule hatte Guttenberg bereits am 23. Februar den Doktorgrad aberkannt, am 1. März legte der CSU-Politiker alle Ämter nieder. Mit Spannung wird der Inhalt der dreiseitigen Erklärung erwartet, die Guttenberg Ende April zu den Vorwürfen abgegeben hat.

Der ehemalige bayerische Wissenschaftsminister und CSU-Generalsekretär Thomas Goppel geht nicht von einer Rückkehr des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg in die Politik aus. "Das ist im Prinzip vorbei", sagte Goppel im Deutschlandfunk. "Ich glaube allen Ernstes, dass man in einer solchen Geschichte mit einem solchen Ergebnis mit solchen Vorgaben nicht davon reden kann, dass man morgen in der Politik wiederkommt."

© sueddeutsche.de/dpa/jab/mati

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