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Abfindung:So versilbern Sie sich den Abschied

Business und Freiheit

Entschädigung für den Jobverlust: Wer einige Dinge beachtet, kann von der Kündigung zumindest finanziell profitieren.

(Foto: schwede-photodesign - Fotolia)

Job weg, Taschen voll? Ganz so einfach ist es leider nicht, denn Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung. Mit der richtigen Taktik lässt sich dennoch einiges holen. Was Betroffene beachten müssen.

Das deutsche Abfindungsgesetz ist eine feine Sache. Die Gewissheit, im Fall einer Kündigung ein hübsches Sümmchen zu erhalten, hat schon vielen Beschäftigten den Nachtschlaf gerettet - und das, obwohl die Regelung einen recht massiven Schönheitsfehler hat: Es gibt sie nämlich gar nicht.

"Entgegen einem verbreiteten Vorurteil kennt das deutsche Arbeitsrecht weder ein spezielles Abfindungsgesetz noch sieht es im Fall einer Kündigung stets einen Anspruch auf Abfindung vor", erläutert Stephan Altenburg, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus München.

Mit anderen Worten: Wer seinen Job verliert, bekommt längst nicht immer - und schon gar nicht automatisch - ein Bündel Geld mit auf den Weg. Hoffnungslos ist die Lage trotzdem nicht. Mit der richtigen Taktik lässt sich die Freigiebigkeit des Arbeitgebers durchaus steigern. Was Betroffene wissen sollten.

Warum gibt es keinen fixen Anspruch auf Abfindung?

Schuld ist der sehr weit gehende Kündigungsschutz, den deutsche Arbeitnehmer genießen. Unternehmen, die einen Mitarbeiter loswerden wollen, brauchen nach dem Gesetz klar definierte Gründe. Deren Vorliegen kann der Betroffene gerichtlich überprüfen lassen mit einer Kündigungsschutzklage. Die jedoch kann nur auf zweierlei Weise enden: Entweder das Gericht erklärt den Rauswurf für unwirksam. Dann darf der Arbeitnehmer seinen Job behalten und braucht keine Abfindung. Oder die Kündigung ist rechtens. Dann ist der Jobverlust zu akzeptieren - auch ohne finanzielle Kompensation.

Wann können Arbeitnehmer dennoch auf eine Zahlung hoffen?

Die (oft schwierig zu beantwortende) Frage, ob der Rauswurf im konkreten Fall zulässig war, wird nicht in jedem Verfahren abschließend geklärt. Häufig einigen sich die Parteien auf einen Vergleich: Der Arbeitgeber verpflichtet sich darin, seinen früheren Mitarbeiter für den Verlust des Arbeitsplatzes zu entschädigen. Im Gegenzug akzeptiert dieser die Kündigung. Eine Lösung, die für beide Seiten Vorteile bringt: Das Unternehmen kauft sich vom Risiko eines langwierigen Prozesses frei, der Arbeitnehmer muss nicht zu einem Chef zurück, der ihn nicht mehr haben will.

"Der Anteil derer, die per Kündigungsschutzklage tatsächlich ihre alte Stelle zurückwollen, liegt im einstelligen Prozentbereich", so die Erfahrung von Frauke Biester, Fachanwältin für Arbeitsrecht aus Düsseldorf. "In den übrigen Fällen geht es nur noch ums Geld."

Müssen Beschäftigte stets klagen, um eine Abfindung zu erhalten?

In der Regel ja. Allerdings gibt es Sonderkonstellationen. Mitunter enthalten Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen spezielle Regelungen zum Thema Abfindung. Gleiches gilt für Sozialpläne, die zum Beispiel bei Umstrukturierungen ausgehandelt werden.

Weiterer Sonderfall: Nach Paragraf 1a des Kündigungsschutzgesetzes haben Arbeitnehmer, die von vornherein auf eine Klage gegen eine betriebsbedingte Kündigung verzichten, Anspruch auf Abfindung in Höhe eines halben Monatsverdienstes pro Beschäftigungsjahr. Das Geld gibt es allerdings nur, wenn der Unternehmenschef bereits im Kündigungsschreiben klarmacht, dass er sich aus betrieblichen Gründen von dem Mitarbeiter trennen muss und dass dieser die Abfindung nur beanspruchen kann, wenn er die dreiwöchige Klagefrist verstreichen lässt. "In der Praxis ein eher seltener Fall", erklärt dazu der Münchner Arbeitsrechtsexperte Altenburg.