bedeckt München 23°
vgwortpixel

Zwischenfall bei Hirntod-Diagnose:Nach dem Schichtwechsel wurde die Organspende plötzlich gestoppt

Der Patientenschützer Brysch appelliert an die Ärztekammer, die Richtlinien für die Feststellung des Hirntods deutlich zu verschärfen. "Dort darf man jetzt nicht die Augen schließen vor den Realitäten", sagt er. Schließlich liegen der BÄK, wie diese am Mittwoch mitteilte, derzeit elf Fälle unklarer Hirntod-Diagnosen zur Prüfung vor. "Wir brauchen auf diesem Gebiet höchstes Niveau, um Menschen dazu zu gewinnen, Organspender zu werden", sagt Brysch. Je laxer Zweifelsfälle interpretiert würden, desto mehr untergrabe man das Vertrauen in das System. Brysch hatte bereits Anfang der Woche die Gründung von Kompetenzteams gefordert, die einer staatlichen Stelle wie dem Robert-Koch-Institut angehören und die Hirntoduntersuchung vornehmen sollten.

Denn der Fall von Bremerhaven macht auch deutlich, wie groß die Unsicherheiten aller Beteiligten in Sachen Hirntod sind: Nachdem das Krankenhaus die Organspenderin an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) gemeldet hatte, stimmte der erste Organspende-Koordinator der DSO nach Prüfung aller Unterlagen der Explantation zu. Die Chirurgen setzten ihre Skalpelle an. Doch dann war bei der DSO Schichtwechsel. Der nun zuständige Koordinator blies die Entnahme nach einem Blick in die Akten ab. Die DSO hat den Fall der Überwachungskommission gemeldet und äußert sich derzeit nicht dazu.

Fälle wie der von Bremerhaven sind aus mehreren Gründen tragisch: Erstens torpedieren sie das Vertrauen in die Organspende - und auch deren Vertrauenswürdigkeit. Zweitens gehen durch die Unzulänglichkeiten bei der Hirntodfeststellung Organe verloren; die Patienten, die zum Teil verzweifelt auf ein lebensrettendes Organ warten, gehen leer aus, wenn Organspenden aufgrund fehlerhafter Tests abgebrochen werden müssen. Und drittens handelte es sich bei der Organspenderin in Bremerhaven nach Informationen der Ärzte-Zeitung um ein Unfallopfer. Die Frau soll einen Organspendeausweis besessen haben. Es war also ihr schon zu Lebzeiten formulierter Wunsch, nach ihrem Hirntod anderen Menschen mit ihrem Herzen oder ihrer Leber ein nicht zu bezahlendes Geschenk zu hinterlassen. Dieser Wunsch erfüllte sich wegen unglücklicher Pannen nicht.