bedeckt München 20°
vgwortpixel

WHO-Bericht:Sechs Millionen Tote durch Tabakkonsum

Raucherin

Bis 2030 könnten acht Millionen Menschen pro Jahr an den Folgen des Rauchens sterben

(Foto: dpa)
  • Sechs Millionen Menschen sterben jährlich durch Tabakkonsum, warnt die WHO in ihrem neuen Welt-Tabak-Bericht.
  • Ohne Maßnahmen könnte diese Zahl weiter ansteigen. Die WHO empfiehlt, Tabakprodukte stärker zu besteuern.
  • Deutschland erreicht den geforderten Steuersatz fast. Die Zahl der jugendlichen Raucher ist seit einigen Jahren rückläufig.

Ohne drastische Maßnahmen gegen den Tabakkonsum könnten im Jahr 2030 acht Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens sterben. Davor warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem neuen Welt-Tabak-Bericht.

Heute sterben jedes Jahr sechs Millionen Menschen durch Tabakkonsum - alle sechs Sekunden einer, berichtete die WHO am Dienstag in der philippinischen Hauptstadt Manila. (Hier finden Sie den vollständigen Bericht.) Das sind mehr Tote als durch HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose zusammen. Obwohl in vielen Ländern weniger geraucht wird, steigt die Zahl der Raucher weltweit durch das Bevölkerungswachstum. In einer Pressemitteilung sprach die WHO von einer "Tabakepidemie".

Forderung nach hohen Steuern

Hohe Steuern auf Tabak könnten nach WHO-Angaben Menschenleben retten. Viel zu wenige Länder nutzten diese effektive Maßnahme, um das Rauchen einzudämmen. Weltweit erhöben den Angaben zufolge nur 33 der 194 WHO-Länder angemessene Steuern auf Rauchwaren. Die WHO hält Steuern von 75 Prozent des Verkaufspreises für angemessen. "Die Steuern auf Tabakprodukte zu erhöhen ist eine der wirkungsvollsten und wirtschaftlichsten Methoden, den Konsum von tödlichen Produkten einzudämmen und deutliche höhere Steuereinkünfte zu erzielen", teilte WHO-Direktorin Margaret Chan mit.

Deutschland erreicht die 75-Prozent-Marke fast. Die Preiserhöhungen und die Tatsache, dass Zigaretten und Tabak seit 2009 nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden, hätten die Raucherquote bei Jugendlichen massiv reduziert, sagt Kirsten Schotte von der WHO. Der Anteil der Raucher bei den 12- bis 17-Jährigen hat sich nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in den vergangenen zehn Jahren von 23 auf 10 Prozent halbiert. Unter den Erwachsenen raucht in Deutschland jeder Vierte.

Einfluss der Tabak-Lobby auf die Gesetzgebung

Die WHO zählt Rauchen zu den Risikofaktoren für Krebserkrankungen, Herz- und Lungenleiden sowie Diabetes. An diesen Krankheiten sterben nach WHO-Angaben 16 Millionen Menschen vorzeitig, das heißt, vor ihrem 70. Lebensjahr. 80 Prozent der weltweit rund eine Milliarde Raucher leben nach WHO-Angaben in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen.

Die WHO lobte die philippinische Regierung, weil sie die Steuern auf Tabak stetig erhöht hat. Die US-Handelskammer soll nach einer Untersuchung der New York Times versucht haben, die Regierung davon abzubringen. Höhere Steuern öffneten nur Schmugglern Tür und Tor, habe die Kammer an die Regierung geschrieben. Die Zeitung wies demnach Verflechtungen der Handelskammer mit der Tabakindustrie nach. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", zitierte die Zeitung den philippinischen Finanzstaatssekretär Jeremias Paul.