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Unerprobte Medikamente:Gegen Ebola gibt es Mittel - aber nicht in Afrika

Einer Patientin wird im US-Bundesstaat Maryland ein im Versuchsstadium befindlicher Ebola-Impfstoff injiziert

(Foto: AP)

Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie gibt es erste Erfolge mit experimentellen Wirkstoffen. In Afrika kommen diese aber nicht an. Grund dafür ist nicht nur die Bürokratie der WHO - sondern womöglich bloße Vernunft.

Wenn ein Tsunami Kurs auf die Küste nimmt, ist er zunächst nur eine lang gestreckte Woge im Wasser. Kaum sichtbar für das Auge, es bliebe also noch Zeit zum Handeln. Wenn sich die Welle vor dem Ufer aber schließlich aufbäumt, ist das Unheil nicht mehr abzuwenden: Die Wucht des Wassers zerschmettert Häuser, Straßen, Siedlungen - und sie tötet Menschen, viele Menschen. Zerreißt Familien, löscht ganze Dörfer aus. So wie der Tsunami es vor zehn Jahren nicht nur in Indonesien tat. So wie es die Seuche Ebola es jetzt in Westafrika tun wird. Wenn nicht rasch etwas geschieht.

Eine der schlimmsten Gesundheitskrisen in der Geschichte

Als der stellvertretende Generalsekretär der Vereinten Nationen, Jan Eliasson, am Dienstag in New York vor die Presse trat, um sich zur Ebola-Epidemie in Guinea, Sierra Leone und Liberia zu äußern, schien ihm ein Vergleich mit der Tsunami-Katastrophe von 2004 auf jeden Fall angemessen zu sein. "Wir stehen vor einer der schlimmsten internationalen Gesundheitskrisen in der Geschichte", sagte der Schwede. Die Situation sei ausgesprochen ernst, es müsse sofort gehandelt werden. Das scheint inzwischen auch jene Frau so zu sehen, die am Dienstag neben Eliasson saß. Margaret Chan, Direktorin der Weltgesundheitsorganisation WHO, ist in den vergangenen Tagen immer häufiger für das zögerliche Handeln ihrer Behörde kritisiert worden. In New York gab sie zu: "Wir haben das Ausmaß und die Komplexität des Ausbruchs unterschätzt." Von einer Sache sei sie dennoch überzeugt: "Wir können und wir werden diese Epidemie unter Kontrolle bringen."

Bleibt nur noch die Frage, wie. Aus medizinischer Sicht lässt sich gegen eine Ebola-Infektion erschütternd wenig ausrichten. Es existiert weder eine Schutzimpfung noch ein Medikament gegen die Krankheit - zumindest keines, das nach den üblichen Standards geprüft worden wäre. Deshalb behandeln Ärzte, sofern sie überhaupt die Mittel dazu haben, ausschließlich die Symptome der Krankheit. Trotzdem sind in den vergangenen Monaten bereits mindestens 1900 Menschen gestorben, mehr als doppelt so viele haben sich infiziert.

Es gibt allerdings experimentelle Wirkstoffe und Impfungen, die bislang zwar nur an Labortieren getestet wurden, aber nun zum Hoffnungsträger im Kampf gegen Ebola avanciert sind. Gewiss auch deshalb, weil das Ausmaß der Epidemie inzwischen viele Menschen in den Industrienationen ängstigt. Obwohl Experten seit Wochen betonen, dass der Ausbruch einer Ebolaepidemie in gut entwickelten Ländern wie den Vereinigten Staaten oder Deutschland so gut wie ausgeschlossen ist. Mit Blick auf Afrika allerdings hatte sich die WHO nach Beratungen mit einem Ethik-Komitee vor mehr als drei Wochen für einen Einsatz der unerprobten Arzneien ausgesprochen. Fast zeitgleich bot Kanada 800 Dosen eines experimentellen Impfstoffs an.