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Diät:Warum Trockenfasten schädlich ist

Trinken aus einer Wasserflasche

In der warmen Jahreszeit immer wichtig: viel trinken.

(Foto: dpa)

Anhänger des Trockenfastens verzichten nicht nur auf feste Nahrung, sondern auch auf Flüssigkeit. Mediziner warnen vor ernsten Gefahren für den Körper.

Die Pandemie stürzt viele Menschen in die Krise - manche nutzen die erzwungene Häuslichkeit aber auch zur Verbesserung ihrer Fitness oder Figur. Noch besteht ja die vage Hoffnung, zum Ende des Sommers vielleicht doch irgendwo mit rankem Becken am Beckenrand zu posieren. Eine neue Form des Body-Shaping ist das "Trockenfasten". Anhänger der Methode postulieren nicht nur vollständigen Verzicht auf feste Nahrung, es soll auch keine Flüssigkeit aufgenommen werden.

In Frauenzeitschriften und im Netz preisen selbst ernannte Models und Fitnesstrainerinnen die angeblichen Vorteile, wenn der Körper trockengelegt wird. Dadurch soll "totes Wasser" aus dem Organismus verschwinden, zudem würden "negative Informationen" gelöscht. Und klar, Entgiften, Blutreinigung und die Heilung diverser Leiden werden auch versprochen. Hans Hauner spricht meist mit Bedacht. Zu dem neuen Fastentrend fallen dem Chef der Ernährungsmedizin an der TU München jedoch Begriffe wie "Unfug" oder "völliger Blödsinn" ein. Trockenfasten? Zu abwegig die Methode, zu unsinnig die Theorie - obendrein schädlich.

Sogar auf Duschen verzichten manche Anhänger der Methode

"Es ist fürchterlich, solche Extremkuren können wirklich gefährlich werden", sagt Ernährungsarzt Hauner. "Aber junge Menschen halten zum Glück viel aus." Zellen und der gesamte Organismus bräuchten regelmäßig Wasser, das sei hinlänglich bekannt. Schon tageweiser Verzicht könne zu Gesundheitsschäden bis zum Tod führen. Nierenversagen und Herzrhythmusstörungen drohen. Andere Organe geraten ebenfalls in Mitleidenschaft, zudem schwindet Muskelmasse. Keine seriöse Veröffentlichung habe bisher Vorteile des Trockenfastens belegt.

Fasten hat eine lange Geschichte - der Mensch war früher oft unfreiwillig dazu gezwungen. Religionen haben die freiwillige Entsagung als Askese-Übung in ihr Repertoire aufgenommen. Nach anfänglichen Versuchen mit Totalverzicht wissen seriöse Anbieter von Fastenkuren heute, dass eine Nulldiät nicht gesund ist. Sie servieren Kunden niedrigkalorische Suppen und Säfte - und ständig Wasser. Gerade wenn der Körper sich von üppiger Nahrung verabschiedet und an den Mangel gewöhnt, benötigt er viel Flüssigkeit.

Wer konsequent trockenfasten will, verzichtet während des Flüssigkeitsentzugs sogar auf Dusche und Bad - Wasser ist von außen wie innen verpönt. Stattdessen wird Trockenbürsten empfohlen; in Zeiten strenger Hygiene keine gute Idee. Dafür soll die Tortur Energie bringen, die Willenskraft stärken und positive Gedanken stellen sich angeblich von selbst ein.

"Beim Fasten muss sich der Stoffwechsel in den ersten Tagen massiv umstellen, das spürt man", sagt Hans Hauner. "Je nach Erwartungshaltung kann das als Bewusstseinserweiterung und Bereicherung empfunden werden." Bereichern tun sich bei Fastenkuren zwar meist andere, aber wer sich dennoch auf die große Leere einlassen will, sollte wenigstens genügend trinken.

© SZ vom 08.05.2020
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